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Aktion
„Denkmal des Monats“
Januar
2004 / Walther-Rathenau-Platz, Rathenower Turm und Stadtmauer / Brandenburg
an der Havel
Der heutige Walther-Rathenau-Platz zwischen Rathenower Torturm und
Beetzseeufer bildet den nördlichen Abschnitt des altstädtischen
Promenadenzuges, welcher den Stadtkern entlang der ehemaligen Befestigungsanlage
umgibt.
Im
Mittelalter war das der Stadtmauer vorgelagerte Gelände durch
zwei Gräben gesichert, zwischen denen ein Wall verlief. Eine
erste gärtnerische Nutzung ist für 1773 überliefert,
als auf Befehl König Friedrich des Großen auf dem Wall
ein Kreisgarten als Anzuchts- und Ver-kaufsstelle von Obstgehölzen
angelegt wurde. In den Folgejahren wurde der Wall eingeebnet und
zunächst der innere, dann der äußere Stadtgraben
verschüttet. Das Areal wurde zeitweilig als Gartenland verpachtet
und seit 1873 durch die Stadtgärtnerei genutzt.
Die Anlage des Walther-Rathenau-Platzes als öffentliches Grün
geht auf einen Entwurf von Stadtgarteninspektors Keßler aus
dem Jahre 1910 zurück. Mit der Vollendung der Parkanlage im
Jahre 1914 wurde auf Initiative des damaligen Oberbürgermeisters
Hugo Dreifert der gärtnerisch gestaltete Grünzug um die
Altstadt geschlossen.
Der
Walther-Rathenau-Platz weist eine charakteristische Zweiteilung
auf. Er besteht aus einem streng regelmäßig angelegten
Gartenteil mit symmetrischem Wegesystem, Heckeneinfassung, Ruhezonen,
Spielbereich und Staudengärten. Den Abschluss dieses Anlagenteils
bilden ein Wasserbecken mit Fontäne sowie ein Ruheplatz mit
Pergola. Daran schließt sich ein landschaftlich angelegter
Gartenteil an, der sich bis ans Beetzseeufer erstreckt.
Die
gärtnerische Anlage zwischen Rathenower Torturm und Gotthardtkirche
wurde bewusst niedrig gehalten, um den Blick auf die Stadtmauer
mit ihren Turmruinen und die Gotthardtkirche nicht zu verdecken.
Mit dem Entwurf wurde ein stimmungsvolles Bild unter Bezug auf die
Stadtsilhouette angestrebt. Im Unterschied hierzu sollten gezielte
Gehölzanpflanzungen im landschaftlich gestalteten Bereich den
Blick auf die Mietskasernen an der Watstraße verdecken. Diesen
Gartenteil prägen geschwungene Wege und reizvolle Durchsichten
über die als Wiesental gestaltete Rasenfläche.
Schwere Kriegsschäden machten in den 1960er Jahren eine erste
Neuanlage des Walther-Rathenau-Platzes erforderlich, die sich jedoch
im Wesentlichen an die Ursprungskonzeption anlehnte. Änderungen
betrafen hauptsächlich die Verlagerung des Spielplatzes und
die Um-gestaltung des vorderen Gartenteils an der Rathenower Straße,
aber auch Teile des Wegenetzes und der Bepflanzung.
Die
jüngsten Wiederherstellungsmaßnahmen wurden 1997 mit
einer detaillierten garten-denkmalpflegerischen Bestanderfassung
eingeleitet. Hierauf aufbauend konnte die Anlage in vier Bauabschnitten
bis 2001 instand gesetzt werden. Da sich Grundstruktur und Gehölzbestand
der Erstanlage trotz aller Überformungen in bemerkenswertem
Umfang bewahrt hatten, konnte das historische Erscheinungsbild der
Parkanlage mit seiner hohen gestalterischen Qualität weitgehend
wieder hergestellt werden. An der Neuanlage eines Kinderspielplatzes
östlich der Promenade war die Kinder- und Jugend-Kunst-Galerie
Sonnensegel e.V. beteiligt.
Die Gesamtkosten für die Instandsetzung des Walther-Rathenau-Platzes
beliefen sich auf rund 500.000 Euro. Die Maßnahmen wurden
im Rahmen des Bund-Länder-Programm "Städtebaulicher
Denkmalschutz" gefördert. Mit dem Walther-Rathenau-Platz
wurde zugleich ein wichtiger Spiel- und Erholungsraum der Altstadt
zurück gewonnen und ein stadtbildprägendes Gartendenkmal
restauriert. Das Vorhaben ordnet sich zudem in die seit 1991 kontinuierlich
fortschreitende Sanierung der Stadtbefestigungsanlagen ein. Den
gartendenkmalpflegerischen Arbeiten ging 1993-1996 die Instandsetzung
des Rathenower Torturms und 1997 die Sanierung des Stadtmauerabschnittes
am Walther-Rathenau-Platz voraus.
Text und Bilder: Anja Castens, Amt für Stadtsanierung und
Denkmalschutz, Bergstraße 19, 14770 Brandenburg an der Havel
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