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Aktion
„Denkmal des Monats“
Januar
2005 / Jakobskapelle in Brandenburg an der Havel
Ursprünglich
gehörte die Jakobskapelle zum gleichnamigen Jakobshospital,
das 1315 gegründet, rund 500 Meter vor der Brandenburger Neustadt
an der Ausfallstraße nach Magdeburg lag. Urkundlich wird sie
erstmalig 1349 erwähnt, als "Kapelle des heiligen Jakobus
außerhalb der Mauern bei den Kranken". An den rechteckigen
Ursprungsbau der Zeit um 1320 wurde im 15. Jahrhundert ein achteckiger
Glockenturm angefügt. Ostgiebel und Westturm zeigen eine schlichte
Gliederung durch
gotische Spitzbogenblenden. Der tonnengewölbte Innenraum ist
über eine Spitzbogenpforte auf der Nordseite zugänglich.
In den Ostgiebel war eine als Terrakottarelief ausgeführte
mittelalterliche Kreuzigungsgruppe von hohem künstlerischen
Wert eingelassen. Das Original befindet sich zurzeit in Restaurierung
und wird zukünftig geschützt im Inneren der Kapelle ausgestellt.
Die
Jakobskapelle lag zwischen Hospitalgebäude und zugehörigem
Friedhof, der möglicherweise zeitweilig auch als Pestfriedhof
genutzt wurde. Einst auf freiem Feld errichtet wurde die Jakobskapelle
mit der Stadterweiterung des 19. Jahrhunderts allmählich ins
Stadtgebiet einbezogen. Zunehmende Bebauung und anwachsender Verkehr
führten dazu, dass die Brandenburger Stadtverordneten 1892
einen Neubau der hölzernen Brücke über den Jakobsgraben
und eine Begradigung der Jakobsstraße beschlossen, die bis
dahin um die Jakobskapelle herum führte. Da ein Abbruch und
Wiederaufbau des mittelalterlichen Bauwerkes an anderer Stelle aus
denkmalpflegerischen Gründen nicht in Betracht kam, entschied
man sich für eine Verschiebung der Jakobskapelle um 11 Meter
nach Westen. Mit der Planung und Oberbauleitung des Vorhabens wurde
Stadtbaurat Albert Krzyzagorski betraut. Er entwickelte eine Holzkonstruktion
auf der das Bauwerk, wie auf einem Schlitten, in nur drei Tagen
an seinen neuen Standort glitt. Sechs Männer waren hierzu erforderlich,
die die Kapelle durch das Anziehen von Druckschrauben Zentimeter
weise vorwärts bewegten. Von dieser technischen Meisterleistung
zeugt noch heute eine Inschriftentafel im Ostgiebel der Kapelle.
Das spektakuläre Versetzen der Jakobskapelle brachte ihr die
Bezeichnung "Verrückte Kapelle" ein.
Bis
Ende der 1990er Jahre wurde die Kapelle durch die St. Katharinengemeinde
kirchlich genutzt. Danach für kurze Zeit in städtischer
Obhut, ging die Kapelle Anfang des Jahres 2000 in das Eigentum der
Stiftung Wredow'sche Zeichenschule über. Mit der geplanten
Nutzung zu Ausstellungszwecken, als Atelierraum, für Konzerte
und Lesungen eröffnete sich für den kleinen Sakralbau
eine neue Zukunft.
Mit
viel Engagement wurde die denkmalgerechte Instandsetzung der sanierungsbedürftigen
Jakobskapelle in Angriff genommen. In einem ersten Bauabschnitt
konnte der eichene Dachstuhl repariert und das Dach mit handgestrichenen
Bibern gedeckt werden. Es folgte die Sanierung der Fassaden und
die Reparatur des Turmhelmes, der mit einer neuen Wetterfahne versehen
wurde. Die Inschrifttafel, die von der Versetzung der Kapelle kündet,
wurde vor Ort instand gesetzt. Das mittelalterliche Kreuzigungsrelief
wird derzeit durch die Steinwerkstatt der Fachhochschule Potsdam
restauriert. Nicht zuletzt wurde auch der Innenraum in behutsamer
Weise für die zukünftige Nutzung hergerichtet. So konnte
die restaurierte Jakobskapelle im Juni 2004 mit einer Festveranstaltung
zum 200. Geburtstag des Bildhauers August Julius Wredow feierlich
eingeweiht werden.
Die
Restaurierungsarbeiten wurden durch die dankenswerte Unterstützung
Brandenburger Handwerker, die etliche Bauleistungen uneigennützig
sponserten, durch Spendengelder und Fördermittel ermöglicht.
Neben der Eigentümerin engagierten sich der Rotary Club, der
Lions Club, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die Mittelbrandenburgische
Sparkasse, wie auch die Stadt Brandenburg an der Havel finanziell
für das außerhalb des Sanierungsgebiet gelegene gefährdete
Bauwerk, so dass dieses nach Komplettierung der Eigenmittel 2002
in das "Dach und Fach" Förderprogramm aufgenommen
werden konnte.
Mit
der Jakobskapelle wurde die letzte im Brandenburger Stadtgebiet
erhaltene mittelalterliche Kapelle mit "bewegter" Geschichte
vor dem Verfall gerettet und einer viel versprechenden neuen Nutzung
zugeführt.
Der mannigfache Einsatz für die Kapelle findet seine Anerkennung
in der Auszeichnung als Denkmal des Monats Januar 2005.
Textautor: Anja Castens, Bauamt / Denkmalschutz, Bergstraße
19, 14770 Brandenburg an der Havel
Abbildungen:
Jakobskapelle 1892. Arbeiten zum Standortwechsel.
(Fotonachweis: Museum im Frey-Haus, Stadt Brandenburg an der Havel)
Jakobskapelle und Wredow'sche Zeichenschule 2005.
(Fotonachweis: Anja Castens, Bauamt / Denkmalschutz, Stadt Brandenburg
an der Havel)
Westturm der Jakobskapelle 2005.
(Fotonachweis: Anja Castens, Bauamt / Denkmalschutz, Stadt Brandenburg
an der Havel)
Bilder Verleihung: complan GmbH
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