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Aktion
„Denkmal des Monats“
Haus
"Im Güldenen Arm" ist Denkmal des Monats Januar
Jann
Jakobs, Oberbürgermeister der Stadt Potsdam, freute sich, dass
die Stadt Potsdam mit dem Haus "Im Güldenen Arm"
den Auftakt für die Auszeichnung der diesjährigen Denkmale
des Monats bildet. Die wertvollen Denkmale nicht nur zu sanieren,
sondern auch mit Nutzungen zu füllen stellt ein zentrales Anliegen
der Stadt Potsdam und aller Mitgliedsstädte der Arbeitsgemeinschaft
dar. Das Haus in der Hermann-Elflein-Straße wird unter anderem
mit kulturellen Veranstaltungen bespielt. Es zeigt als Museum in
eindrucksvoller Weise, wie das Leben zu den Zeiten der Erbauung
in Potsdam ausgesehen hat. Darüber hinaus dient das Haus als
Musterbeispiel für die Erprobung historischer Materialien.
Von den Erfahrungen mit den Restaurierungstechniken möchte
man in Potsdam auch für andere Gebäude in der Stadt und
im Land Brandenburg profitieren. Die Auszeichnung übernahm
Michael Knape, Vorsitzender
der Regionalgruppe Süd-West und Bürgermeister der Stadt
Treuenbrietzen, der insbesondere das ehrenamtliche Engagement rund
um das kleine Museum lobte.
Im Jahr 2006 steht die Aktion "Unser Denkmal des Monats"
unter dem Thema "Bürger-bau(t)en - Denkmalschutz und Baukultur
in den historischen Stadtkernen" und lehnt sich damit Kulturland
Brandenburg "Baukultur" an. 12 Denkmale werden ausgezeichnet,
die in eindrucksvoller Weise das Engagement der Bürger in den
historischen Stadtkernen ebenso wie der Städte für ihre
Bürger zeigen.
Januar
2006 / Haus "Im Güldenen Arm", Hermann-Elflein-Straße
/ Potsdam
Gebaut
wurde das Haus 1737 im Zuge der Errichtung der 2.Stadterweiterung
Potsdams. König Friedrich Wilhelm I. (1713-1740) befahl 1732
die Stadt zu vergrößern, da die Anzahl der vorhandenen
Häuser zur Unterbringung seiner in Potsdam stationierten Soldaten
nicht ausreichte. Er ließ auf "wüstem" Gelände
auf seine Kosten Fachwerkhäuser errichten, deren Gleichförmigkeit
durch die im Dach eingebaute "Giebelstube" aufgelockert
wurde.
Die Einförmigkeit der Häuserzeile der heutigen Hermann-Elflein-Straße
wurde bereits seit der Errichtung des Hauses Nr.3, durch das auffällige
hölzerne Schnitzwerk am Portal durchbrochen. Urheber der Schnitzereien
war der Erstbesitzer, der Brauer und Holzbildhauer August Melchior
Erhardt. Die gesamte Bildsprache dieser Arbeit weist auf seine Herkunft
aus dem süddeutschen Raum hin. So symbolisieren die Putten
auf dem sich windenden Rollwerk, die Berufe des Hausbesitzers. Ein
Putto
hantiert mit Meißel und Schlegel und zeigt die Bildhauerarbeit,
der andere trägt einen beilartigen Hammer, der zum Anschlagen
von Fassreifen auf ein Bierfass benötigt wird. Das Hauptschild
enthält einen aus Wolken herausragenden Arm mit der Inschrift
"Im Güldenen Arm". Es ist anzunehmen, das Erhardt
damit, wie es in seiner Heimat üblich war, das Haus bezeichnen
wollte. Der Arm in der Wolke ist möglicherweise ein Hinweis
auf den goldenen Arm des Handwerks.
Der Hausschenkungsbrief für die Nr.3 wurde erst 1744, in der
Regierungszeit Friedrich II. (1740-1786) ausgestellt, eine durchaus
übliche Praxis. Erhardt blieb bis zu seinem Tod, 1760, Eigentümer
des Hauses. 1765 erwarb sein Schwiegersohn, der Glasermeister und
"Braueigner" Johann Sigismund Haase von seiner Schwiegermutter
das Haus für 2337 Taler. Nach dessen Tod kauft es sein Sohn
Karl Ludwig für 2000 Taler. Er erscheint 1826 im Adressbuch
der Stadt Potsdam unter der Berufsbezeichnung "Tabagist",
also als Betreiber einer Gastwirtschaft. Auch der Vertreter der
nächsten Generation, Karl S. Haase ist von Beruf "Schankwirt".
Nach einer Zwischeneigentümerin kauft 1833 der
Geschirrhändler Christian F. Gentz das Haus und übernimmt
die Gastwirtschaft. Über 100 Jahre bleibt das Haus dann im
Besitz seiner Familie. Die Schankwirtschaft ist ab 1860 verpachtet.
Bis zum Kauf des Hauses durch Gentz wohnten in ihm nur die Eigentümer
mit ihrem Personal. Er ließ im Innern und auf dem Hof Um-
und Anbauten ausführen. So dass bereits 1863 zehn Mieter neben
der Besitzerfamilie hier leben. 1884 sind es sogar 18 Mieter.
Zwar reduziert sich das wieder auf 13, doch weniger Mieter wurden
es bis zum Auszug der letzten Bewohner 1983 nicht mehr.
1930 fiel das Haus durch Erbschaft an den Obermagistratsrat und
späteren Museumsdezernenten Dr. Friedrich Bestehorn. Seine
Großmutter war eine Enkelin von Gentz. Bewohnt hat er das
Haus nicht.
1935 bereits verkaufte er die Immobilie an den Ingenieur Paul Seidig,
der noch zahlreiche andere Häuser in der Innenstadt besaß.
Nach dem 2. Weltkrieg ließen die Erben des P. Seidig die Hermann-Elflein-Straße
3 zunächst privat verwalten, bis es dann an die Kommunale Wohnungsverwaltung
der DDR fiel.
1983 sollte das Haus im Zuge des Abrisses des Straßenabschnittes
bis zur
Gutenbergstraße beseitigt werden. 1984 kam dann, nach intensivsten
Bemühungen der Denkmalpfleger,
der Beschluss zur Sanierung des Hauses. Doch letztendlich scheiterte
dieser Rettungsversuch an den ökonomischen Möglichkeiten
der DDR.
1990 war das Haus in einem derartig ruinösen Zustand, das es
durch das Technische Hilfswerk gesichert werden musste, womit Sanierungsprozess
endlich begann.
1997 war das Haus schließlich, teilweise von Veränderungen
späterer Zeiten befreit, wieder in einem solchen Zustand, dass
es als Museumshaus am 24. Oktober der Öffentlichkeit übergeben
werden konnte. Seitdem ermöglicht das Haus einen nacherlebbaren
Einblick in die Architektur der Bürger- und Handwerkerhäuser
der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Potsdam.
Die Sanierung des Hauses erfolgte im Zeitraum 1990 - 1998. Die
Kosten der Sanierung betrugen rund 1 750 000 EUR. Die Finanzierung
erfolgte mit Hilfe von Fördermitteln des Ministeriums für
Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, mit Hauptstadtmitteln
und einer Spende von rd. 140 000 EUR des damaligen Senders Freies
Berlin. Aus dem Haushalt der Stadt Potsdam wurden 1,1 Mio EUR bereitgestellt.
Text: Revidierter Text von Dr. Edeltraud Volkmann - Block, Stadt
Potsdam, Untere Denkmalschutzbehörde, Herr Kalesse
Fotos: Stadt Potsdam
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