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Aktion
„Denkmal des Monats“
 65.
Denkmal des Monats in Neuruppin verliehen
Eine Kostprobe des schönen Klangs der frisch sanierten
Hollenbachorgel erhielten die Gäste als Einstimmung auf die
Auszeichnung der Siechenhauskapelle als Denkmal des Monats Februar
der Arbeitsgemeinschaft am 24.2.2005 in Neuruppin. Arne Krohn, Stadtverwaltung
Neuruppin, freute sich, dass der Stadt Neuruppin bereits zum 4.
Mal eine Auszeichnung für ein Denkmal verliehen wird.Die Siechenhauskapelle
mit dem dazugehörigen Gebäudeensemble ist durch private
Initiative sowie mit Unterstützung des Landes Brandenburg,
der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und vielen anderen wieder zu
einem Schmuckstück geworden - für die Neuruppiner und
die Gäste. Die Auszeichnung erhielt die stolze Besitzerin der
Kapelle, Frau Lettow, der auch die Wiederherstellung des gesamten
Ensembles zu verdanken ist. Die Kapelle wird für kulturelle
Veranstaltungen sowie als Standesamt genutzt und kann für Familienfeiern
gemietet werden. In den anderen Gebäuden des Ensembles sind
ein Hotel und ein Restaurant untergebracht.
Februar
2005 / Siechenhauskapelle in Neuruppin
Die
Entstehung - Eine Kapelle des Siechenhauses
Die 1491 geweihte Siechenhauskapelle, ein drei Seiten des Achtecks
geschlossener Backsteinbau, ist ein Kleinod der spätgotischen
norddeutschen Backsteingotik. Sie zeugt von bürgerlichem Engagement
in Neuruppin an der Schwelle zur Reformationszeit. Die Siechenhauskapelle,
eine Stiftung des Schwertfegers Klaus Schmidt aus Neuruppin, wurde
1491 direkt an das Hospital angebaut. Wo sich heute das Vorderhaus
des Hotels "Zum alten Siechenhospital"
befindet, haben damals Gebrechliche und Kranke Obdach und Pflege
erhalten. Für alle im Siechenhaus Lebenden und Tätigen
war die Kapelle gedacht. Sie stand aber auch den Anwohnern offen,
die rund um die heutige Siechenstraße angesiedelt waren. Zum
anderen hatten sie hier die Möglichkeit, ihrer Dankbarkeit
dem Stifter gegenüber Nachdruck zu verleihen, in dem sie für
sein Seelenheil beteten - in jener Zeit ein wichtiges Motiv für
zahlreiche geistliche und soziale Stiftungen.
Das
Innere der Kapelle - ein besonderes Erlebnis
Zu einem Besuch des zweijochigen spätgotischen Kirchleins lädt
das von Taustab umgebene Eingangsportal ein. Gewände und Archivolten
schmücken zwei- bzw. dreireihig angeordnete gegossene Tontafeln,
die abwechselnd Christus an der Geißelsäule und den heiligen
Franziskus darstellen. Im Innern der Kapelle überrascht ein
beeindruckendes Netzgewölbe, in dessen Verästelungen sich
das Auge des Betrachters durchaus verlieren kann und dessen Schlusssteine
unterschiedlicher Größe eine beachtliche ornamentale
Vielfalt zeigen.
Den
Hauptakzent im Innenraum setzt der 1715 im Rahmen der damaligen
Erneuerung der Kapelle errichtete Kanzelaltar. Sein dreigeschossiger
Aufbau ist in ionischer Ordnung gehalten. Säulen flankieren
die übereinander liegenden Teile, das Altarbild, den Kanzelkorb
und den Aufbau. Den dreieckigen Kanzelkorb schmücken Ornamentfelder
in Kreuzform. Die künstlerische Hervorhebung der Kanzel deutet
daraufhin, dass die Predigt im protestantischen Gottesdienst einen
bedeutenden Stellenwert hat.
Bei Aufräumarbeiten im Innenbereich kamen verschiedene historische
Funde zum Vorschein, unter anderem Schwerter sowie eine Bibel.
Die
Hollenbach-Orgel
Mit Beginn des letzten Jahrhunderts erhielt die Kapelle eine Orgel
des Neuruppiner Orgelbaumeisters Albert Hollenbach (1850-1904).
Hollenbach war ab 1877 bis zu seinem Tode in Neuruppin ansässig
und hatte hier auch Orgelwerkstatt. Er gilt als der bedeutendste
Orgelbaumeister der Region und fertigte Orgeln für viele Kirchen
der Mark Brandenburg und darüber hinaus auch in Schweden, Norwegen
und Niederlanden an. Die Orgel mit ihrem neugotischen Prospekt,
dessen bekrönende Wimperge von zierlichen Säulchen getragen
werden, wurde 1904 eingeweiht. Sie konnte anhand von Spendenmitteln
rekonstruiert werden.
Die
Siechenhauskapelle heute - Sanierung
Mitte des 16. Jahrhunderts sind Hospital und Kirche der Stadt übereignet
worden und wurden von einem Archediakonus Neuruppins verwaltet,
der zumeist auch die Gottesdienste durchführte. Heute sind
die Siechenhauskapelle, das Hotel und die Gaststätte, als ein
einzigartiges Baudenkmal, im Besitz der Neuruppinerin, Frau Gabriele
Lettow. Zusammen mit dem Förderverein und mit Hilfe der Städtebauförderung
sowie viele Freunde der Siechenhauskapelle wurde 2002 die Sanierung
der Kapelle in Angriff genommen und 2004 abgeschlossen werden. Die
Baukosten betrugen über 450.000 Euro und konnten durch ca.
75.000 Euro des Förderprogramms "Städtebaulicher
Denkmalschutz" des Ministeriums für Infrastruktur und
Raumordnung des Landes Brandenburg, durch 21.000 Euro der Deutschen
Stiftung Denkmalschutz (DSD), sowie durch 80.000 Euro der Investitionsbank
des Landes Brandenburg (ILB) unterstützt werden. Im
Vorfeld konnte in den Vorjahren die Sanierung des Siechenhospitals
selbst sowie des dahinter liegenden Oberlaubengang-Fachwerkgebäudes
"Uphus" durch das Ministerium für Infrastruktur und
Raumordnung unterstützt werden. Heute steht die Siechenhauskapelle
als kulturelles Zentrum und Standesamt der Altstadt zur Verfügung
und wird mit höchstem Engagement durch die Besitzerin betrieben.
Textautor: Stadt Neuruppin/ Deutsche Bau- und Grundstücks-
Aktiengesellschaft - Baugrund-
Bilder: Stadt Neuruppin, complan GmbH
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