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Aktion
„Denkmal des Monats“
März
2004 / Gebhard-Eckler-Straße 3/ Nauen
Bauen
auf dem Wallgraben in Nauen
Mit der Auswahl der Gebhard-Eckler-Straße 3 als einem Einzeldenkmal
auf einer Wallkante, unmittelbar angrenzend an den zugeschütteten
Wallgraben möchte die Stadt Nauen das Augenmerk auf die Veränderungen
von Landschaft und Ortsbild richten. Zugeschüttete Wallgräben
und geschliffene Befestigungsanlagen sind in unseren Städten
allgegenwärtig, aber heute für die Bürgerinnen und
Bürger in Vergessenheit geraten. Erst im Zuge von Bauaktivitäten
wird durch Gründungs- bzw. Setzungsprobleme offenbar, dass
die Stadtgeschichte hier ihre Spuren hinterlassen hat. In den meisten
Klein- und Mittelstädten Brandenburgs, die nur langsam wuchsen,
sind diese Befestigungsanlagen heute verschwunden und im Zuge mittelalterlicher
Stadterweiterungen bebaut worden. Mit der Bebauung des heutigen
Einzeldenkmals Gebhard-Eckler-Straße 3 ist es den damaligen
Bauherrn gelungen, maßstabsgerecht an die historische Entwicklung
der Ackerbürgerstadt anzuknüpfen und den Abschnitt der
befestigten Stadtgeschichte zu überwinden. Diese beiden für
die Stadtentwicklung Nauen wichtigen Epochen (Befestigung und Stadterweiterung),
die sich flächenmäßig überlagern, signalisieren
nicht etwa einen unbewussten und "unhistorischen" Umgang
mit dem Erbe durch unsere Vorfahren, sondern unterschiedliche Phasen
der Stadtentwicklung, deren unverkrampfte Herangehensweise aus heutiger
Sicht manchmal Orientierung geben könnte. Wichtig ist eine
exemplarische Darstellung und Dokumentation dieser "verschütteten"
Phasen der Stadtgeschichte, ohne dabei auf eine zukunftsgerichtete
Stadtentwicklung zu verzichten.
Stadtgraben und Wallanlage
Von der mittelalterlichen Stadtbefestigung Nauens ist heute oberirdisch
kaum noch etwas erhalten geblieben. Nach den heutigen Erkenntnissen
der Archäologen, die in großen Teilen aus den Grabungen
der 90er Jahre resultieren, befand sich vor der nördlichen
Altstadt ein etwa zwölf Meter breiter und bis zu 3,5 m tiefer
Graben. Insgesamt war die heutige Altstadt Nauens durch umlaufende
Graben und Wallanlagen befestigt und der Zugang auf wenige Torwege
begrenzt. Im 16.Jahrhundert wurden die Gräben um Nauen allmählich
aufgegeben. Der ehemals wasser-führende Graben nördlich
der Altstadt im Bereich Wallstraße - Hintere Gasse (heute:
Gebhard-Eckler-Straße) wurde durch das beständige Einleiten
von Fäkalien verfüllt. Heute bereiten die Faulschlammschichten
den Grundstückseigentümern erhebliche Gründungsprobleme.
Der zweite Teil slawischen Stadtbefestigung war die Wallschüttung,
die sich unmittelbar an den Graben anschloss. Die künstlich
aufgebrachten Lehmschichten verhinderten, dass die Wallschüttung
regelmäßig in Folge von Niederschlägen in den Graben
abrutschte. An keiner Stelle des Walls konnten die Archäologen
Spuren einer Holzkonstruktion innerhalb des Walls entdecken. Abschnittsweise
hatte der Wall eine Breite von 8m.
Mit dem Schleifen der Wälle und Verfüllen der Gräben
entstanden neue Flächen für die Stadterweiterung. Teil
dieser ersten Stadterweiterung war die Bebauung des zweigeschossigen
Fachwerkshauses, welches trotz der schon damals bestehenden Gründungsschwierigkeiten
bis heute Bestand hat und aufgrund seiner für Nauen typischen
Bauweise später den Einzeldenkmalstatus erhielt. So wie auf
diesem Grundstück wurde in Nauen fast flächendeckend mit
den ehemaligen Befestigungsanlagen verfahren, so dass aktuell nur
die Straßennamen und partiell die topographische Situation
darauf hindeutet, wie sich die Stadtsilhouette vor 500 Jahren darstellte.
Einzeldenkmal
Gebhard-Eckler-Straße 3
Das in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts errichtete zweigeschossige
Gebäude ist ein traufständiger Fachwerkbau mit Holzbalkendecken
und einem Satteldach. Das Haus ist teilweise unterkellert. Außerdem
besaß das Gebäude einen etwa um 1880 angebauten massiven
Seitenflügel. Den hinteren Abschluss des Grundstücks bildete
eine ursprünglich eingeschossige Remise, die erst gegen Ende
des 19.Jahrhunderts aufgestockt wurde. Zusammen mit der Einfahrtüberdachung
stellte diese geschlossene Hofsituation ein für Nauen charakteristisches
Ensemble dar, welches als solches auch unter Denkmalschutz steht.
Bis zu seinem Leerstand wurde das Gebäude überwiegend
zu Wohnzwecken genutzt. Infolge unterlassener Instandhaltung stand
das Gebäude seit 1989 leer.
Sanierung
und Denkmalschutz des Einzeldenkmals (2000 - 2003)/ Bürgerhausprogramm
Aufgrund der starken Schädigungen mussten an den Holzbauteilen
des Fachwerkhauses umfangreiche Erneuerungsmaßnahmen durchgeführt
werden. Unter größtmöglicher Erhaltung der originalen
Holzsubstanz wurde das Fachwerk und der Dachstuhl erneuert bzw.
ausgebessert. Die Gefache wurden mit Lehmsteinen ausgemauert, mit
einem Kalkputz versehen und erhielten einen sandgelben Mineralanstrich.
Das Fachwerk wurde gemäß dem denkmalpflegerischen Befund
mit einem ochsenblutroten Anstrich farblich abgesetzt. Aus Denkmalsicht
besonders wertvoll ist die Erhaltung der für Nauen typischen
Doppeltüranlage. Sie konnte nicht nur erhalten bleiben, sondern
auch wieder funktionsfähig gemacht werden. Die Fenster wurden
als Doppelkastenfenster rekonstruiert. Im Innern wurden die gesamten
Außenwände mit atmungsaktiven Schilfdämmplatten
bekleidet und mit Kalk verputzt.
Infolge
der fehlenden Standfestigkeit der Remise musste diese abgetragen
und zusammen mit ergänzenden Neubau auf Bohrpfählen neu
gegründet werden. Auch der Anbau des Vorderhauses musste so
unterfangen werden. Die Bohrpfahlgründung als Ergebnis der
Bebauung des ehemaligen Stadtgrabens führte zu erheblichen
Mehrkosten für den Bauherrn, die nur teils durch Umplanungen
abgefangen werden konnten.
Der Seitenflügel und die Scheune wurden mit Porotonsteinen
und außenliegenden gelben Reichsformatklinkersteinen wiedererrichtet.
Die Holzbalkendecken haben einen zwischenliegenden Fehlboden mit
Schlackeschüttung und sind mit Kieferdielen belegt. Das Pultdach
des Seitenflügels schiebt sich am Vorderhaus unter die Traufe,
während es am Satteldach der Remise eingebunden wird.
Die
Gesamtkosten für die Sanierung und den Neubau betrugen ca.
350.000 EUR, davon flossen ca. 74.000 EUR aus Städtebauförderungsmittel
für die sog. Hüllensanierung (B.3.2). Ergänzend wurde
das Vorhaben durch Fördermittel der Deutschen Stiftung Denkmalschutz
im "Bürgerhausprogramm" des Landes Brandenburg mit
ca. 40.000 EUR unterstützt.
Bei den Bauarbeiten wurden weite Teile des Abbruchs und Innenausbaus
sowie die Freiflächengestaltung eigenverantwortlich vom Bauherrn
mit von ihm betreuten sozial benachteiligten und straffällig
gewordenen Jugendlichen und jungen Erwachsenen realisiert.
Künftige Nutzung des Gebäudes
Nachdem ursprünglich eine gemischte Nutzung als Wohn- und Geschäftsgebäude
angestrebt wurde,, sind der Horizont e.V. und die Rizon gGmbH inzwischen
dabei, Ihre Hauptgeschäftsstelle in dem Fachwerkgebäude
einzurichten. Insbesondere die Notwendigkeit den Anbau und die Remise
wieder neu auszubauen und damit die Grundrisse besser auf eine gewerbliche
Nutzung abstimmen zu können, veranlassten den Träger zur
konzeptionellen Änderung. Mit der Hauptgeschäftsstelle
wurden andere Standorte innerhalb der Stadt aufgegeben und in der
Gebhard-Eckler-Str.3 konzentriert.
Gesamterneuerungsstrategie Altstadtsanierung Nauen
Die Förderung des kleinen Fachwerkhauses ist Teil der Erneuerungsstrategie
für die Altstadtsanierung Nauen. Nachdem fast alle markanten
Großobjekte saniert und einer neuen Nutzung zugeführt
wurden, wird der öffentliche Raum und die kleinen ortsbildtypisches
Fachwerkobjekte im Wechsel gefördert saniert. Dabei ist die
Stadt Nauen davon abgerückt Schwerpunktbereiche auszuweisen,
sondern verspricht sich von der punktuellen Förderung in vernachlässigen
Gassen als "Leuchttürmen" angesichts der fortgeschrittenen
Sanierungsgeschehens mehr. Angesichts einer nicht auskömmlichen
Förderung für alle Objekte soll zumindest im gesamten
Sanierungsgebiet ein wirklicher Anstoß für die Sanierungstätigkeit
gegeben werden.
Text und Fotos: Dr. Bert Lehmann, Stadtkontor, Sanierungsträger
in Nauen
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