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Aktion
„Denkmal des Monats“
 New
York - Ziesar, Burgkapelle mit internationaler Unterstützung
restauriert
New York - Ziesar, das ist schon etwas ganz Besonderes,
stellte Dr. Peter Schabe von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz
am 18. März 2005 anlässlich der Auszeichnung der Burgkapelle
in Ziesar als Denkmal des Monats fest. Über 80 Gäste fanden
den Weg zur Auszeichnung nach Ziesar. Geehrt wurde die Burgkapelle
als herausragendes Denkmal von besonderer geschichtlicher und kultureller
Bedeutung. Dies zeigt sich nicht zuletzt durch die große und
hochrangige Unterstützung, die der Burgkapelle zuteil wurde.
So sind neben drei Landesministerien, wie der Minister für
Infrastruktur und Raumordnung, Frank Szymanski, lobte, auch internationale
Spender um den Erhalt der Kapelle und der Burg Ziesar bemüht.
Der in New York ansässige World Monument Fund hat eine umfagreiche
Spende beigesteuert, ebenso wie viele nationale und regionale Spender
und Unterstützer. Am 13. Mai wird die Burg als Museum für
brandenburgsiche Kirchen- und Kulturgeschichte des Mittelalters
eröffnet.
März
2005 / Burgkapelle in Ziesar
Die
Burgkapelle - Kirche in der Residenz
Das slawische Ziesar wird erstmals in der Stiftungsurkunde des Bistums
Brandenburg (948/965) als Ezeri erwähnt, was mit
Ort hinter dem See übersetzt werden kann. Der Slawenaufstand
von 983 zwang die Bischöfe bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts
ins Exil. Seit 1214 ist die Burg Ziesar als Sitz der Bischöfe
von Brandenburg bezeugt. In dieser Zeit wurde die bestehende Anlage
als Rundburg errichtet. Im Jahre 1470, nach vielen Jahren intensiver
Bautätigkeit auf der Residenzburg Ziesar, konnte Bischof Dietrich
von Stechow (1459-1472) die Kapelle zu Ehren der Apostel Petrus,
Paulus und Andreas sowie der heiligen Ägidius und Sigismund
weihen. So weist es die Inschrift des bis heute in der Kapelle befi
ndlichen Weihesteins aus. Nach seinem Tode ließ sich Dietrich
als einziger Bischof von Brandenburg in der Kapelle
bestatten. Seine Tumba, die einst in der Mitte des Gotteshauses
stand, ist nicht mehr erhalten. Der Votivstein und die in Teilen
erhaltene Tumbaplatte hielten und halten das Andenken an den Stifter
und Bauherren wach. Die Fassade der Kapelle mit ihren hohen Fenstern
und den vertikalen Strebepfeilern geben dem Bauwerk Höhe und
eine gewisse Leichtigkeit ganz dem architektonischen Verständnis
der Gotik entsprechend.
Diese Formensprache findet sich auch im angrenzenden Wohnbereich,
den Dietrich zeitgleich umbauen ließ. Die Backsteinarchitektur
weist in ihrer Stilistik Einflüsse auf, die von Werben über
Tangermünde nach
Brandenburg und Ziesar reichen. Im Innern war die Kapelle mit einer
zeittypischen, relativ schlichten Farbfassung ausgestaltet. In den
Scheidbögen der Nordempore befanden sich Rankenmalereien, und
in den Gewölbezwickeln Groteskenköpfe. Bis heute erhalten
gebliebenen sind die Wandmalereien in den drei Nischen: Im östlichen
Joch eine Mondsichelmadonna, im mittleren Joch eine Wurzel-Jesse-Darstellung,
und im westlichen Bereich ein zweiter, bisher nicht identifizierter
Stammbaum. Um 1500 ließ Bischof Joachim von Bredow (1485-1507)
die Kapelle neu ausmalen. Die Wände erhielten eine grünmonochrome
Rankenmalerei, die mit einer Vorhangmalerei abgeschlossen wurde.
Die Gewölbe gestaltete man mit einer illusionistischen Maßwerkmalerei,
die Malereien in den Tonnengewölben wurden beibehalten und
in die neue Fassung integriert. Das neu entworfene Programm stellte
die Kapelle als Paradiesgarten dar, und so ist sie bis heute zu
sehen. Eine Gesamtinterpretation der Malereien, sowohl der älteren
als auch der jüngeren, steht aber noch aus.
Nach
der Reformation diente die Kapelle nur noch gelegentlich für
Gottesdienste. Ende des 17. Jahrhunderts nutzen Calvinisten die
Kirche und übertünchten die Malereien mit weißer
Kalkfarbe. Dieser Umstand hat letztlich die mittelalterlichen Malereien
über die Jahrhunderte gerettet, denn nachdem die Calvinisten
1830 ausgezogen waren, diente die Kapelle zeitweise sogar als Lagerraum.
Seit 1952 wird die Kapelle von der katholischen Gemeinde Ziesars
als Gotteshaus genutzt.
Die Sanierung Maßnahmen und Finanzierung
Noch vor dem Beginn der vorbereitenden Untersuchungen und der Festlegung
des Sanierungsgebietes Altstadt wurde im Jahr 1994 mit einem Kostenaufwand
von rund 105 000 Euro die Dachdeckung der Burgkapelle umfassend
erneuert. Damit konnte das weitere Eindringen von Wasser in das
Gebäude unterbunden werden. Das Landesamt für Denkmalpflege
stellte dafür Fördermittel bereit. Rechtzeitig zur 1050-Jahr-Feier
im Jahr 1998 konnte die schmuckvolle spätgotische Südfassade
mit Unterstützung von Fördermitteln der Stadterneuerung
repariert werden. Parallel zu den Fassadenarbeiten wurden mit dem
Einbau von mehreren Zugankern umfangreiche statische Sicherungsmaßnahmen
durchgeführt. Die Kosten von rund 225 000 Euro wurden zu 80
Prozent gefördert. Mit der Erneuerung der Außenanlagen
im Umfeld der Burgkapelle in den Jahren 2004 und 2005 wurden durch
die damit verbundene deutliche Reduzierung des angrenzenden Geländeniveaus
eine weitere Verbesserung für den langfristigen Erhalt der
Bausubstanz erreicht.
Mit der Vorbereitung der Sanierung für die ehemaligen bischöflichen
Wohn- und Repräsentationsräume im Palas und Ostfl ügel
der Burg rückte auch der Erhalt der mittelalterlichen Malereien
in der Burgkapelle in ein stärkeres öffentliches Interesse.
Seit Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgten wiederholt Versuche, die
Wandmalereien freizulegen und zu restaurieren. Mit der Wiederbelebung
der kirchlichen Nutzung im Jahre 1952 wurden die Malereien der Kapelle
von dem Hallenser Restaurator Fritz Leweke grundlegend restauriert.
Da Ende des 20 Jahrhunderts erneut Schäden an den Wandmalereien
festzustellen waren, erfolgte eine umfassenden Bestands- und Zustandsuntersuchung.
Die 2002 abgeschlossenen Untersuchungen zeigten, dass die Schädigung
der historischen Substanz einen Stand erreicht hatte, der eine grundlegende
Restaurierung der Wandmalereien erforderte. Die durchgeführte
restauratorische Untersuchung ermittelte Erhaltungskosten in Höhe
von etwa 600 000 Euro.
Nach
dem erfolgreichen Aufruf in der Zeitschrift monumente
richtete die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) für den
Erhalt der Malereien eine gesonderte Stiftung für die Kapelle
ein. Aufgrund der geschichtlichen und künstlerischen Bedeutung
der Malereien konnten schnell weitere Sponsoren gewonnen werden.
Mit maßgeblichen Summen haben der Landkreis Potsdam-Mittelmark,
das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege, die Ostdeutsche
Sparkassenstiftung, das Bistum Magdeburg und viele Einzelspender
dazu beigetragen, dass ein großer Teil der erforderlichen
Arbeiten bereits realisiert werden konnte. Besonders hervorzuheben
ist darüber hinaus die umfangreiche Spende des in New York
ansässigen WORLD MONUMENT FUND ®. Ziesar ist eine der ganz
wenigen Städte in Deutschland und die erste Stadt im Land Brandenburg,
die eine Zuwendung von dieser Organisation erhalten hat.
Seit 2002 werden nun die Malereien der Kapelle restauriert. Begonnen
wurde im Ostteil des Gebäudes mit dem ersten Joch, derzeit
dauert die Restaurierung im dritten Joch an. Ziel der konservatorisch-restauratorischen
Maßnahmen ist es, die wertvollen historischen Putze, Wandfassungen
und Malereien möglichst dauerhaft zu erhalten. Nach Abschluss
der konservatorischen Arbeiten wird mit partiell ausgeführten
Retuschen das optische Erscheinungsbild in ausgewählten Bereichen
wieder geschlossen.
Mit den bisher bereit gestellten Mitteln in Höhe von insgesamt
rund 300 000 Euro wurden das erste sowie Teile des zweiten und dritten
Joches von verschiedenen Restaurierungswerkstätten aufgearbeitet.
Gelingt es die notwendigen Mittel aufzubringen, könnte die
Restaurierung
der Burgkapelle bis 2006 abgeschlossen werden. Die Reparatur der
Nordfassade wird aus finanziellen Gründen erst in späteren
Jahren möglich sein.
Text: Dr. Clemens Bergstedt, Walter Bitzer, Wilfried Sitte
Bilder: ews Stadtsanierungsgesellschaft, Harald Hirsch/Potsdam
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