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Aktion „Denkmal des Monats“

April 2004 / Die Bastion im Tempelgarten/ Neuruppin

Der Tempelgarten
An den drei Längsseiten umschloss eine Stadtmauer mit drei vorgelagerten Wällen die mittelalterliche Stadtanlage von Neuruppin. Nachdem die Wehrfunktion von Wallanlage und Stadtmauer nicht mehr benötigt wurde, wurden die Wälle mit Bäumen bepflanzt.

1728 veranlasste der Soldatenkönig, die Wallanlagen mit seinen mittlerweile 250-jährigen Eichen schleifen zu lassen, um an deren Stelle Bürgergärten zu errichten. Dieser Erlass wurde jedoch nicht vollständig umgesetzt. Der Kronprinz Friedrich (seit 1732 Regimentskommandeur in Neuruppin) beendete die Abholzung der Wälle und erwarb ein Areal an der Stadtmauer, das er als Garten nutzte, wo Obst und Gemüse für seinen Haushalt gezogen wurden.

1735 beauftragte Friedrich seinen Freund Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff, in diesem Garten einen Tempel zu errichten, daher der Name Tempelgarten. Mit dem Amtsantritt als König von Preußen 1740 erhielt die Stadt Neu-ruppin den Garten zurück.

Den Garten erwarb Oberst von Tschammer, später (1803) Kaufmann Rühl, der den Garten samt Gebäude an eine Casino-Gesellschaft verpachtete. Diese wiederum errichteten eine Schenkstube und eine Kegelbahn.

1853 erwarben Johann Christian Gentz und sein Sohn Alexander den Garten und begannen ihn, in Erinnerung an Friedrich, wiederherzurichten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Für die Umbauten wurde der Architekt Carl von Diebitsch gewonnen, der die Villa, das Gärtnerhaus und die Einfriedung des Gartens im orientalischen Stil entwarf. Unter Hinzuziehung des Gartenarchitekten Gustav Meyer schuf man einen Garten nach eigenen Vorstellungen, da die ursprüngliche Anlage nicht mehr nachzuvollziehen war. Das Ergebnis war ein für die Zeit typischer, eklektizistischer Garten mit geometrischen und landschaftlichen Partien. Den Pflanzenbestand ergänzte Alexander Gentz mit exotischen Pflanzen. Sandsteinskulpturen vervollständigten die Gartenanlage. Dieser Gestaltungsphase entspricht im Wesentlichen der heute anzutreffende Bestand.

Nach dem Bankrott der Kaufmannsfamilie 1881 wurde derTempelgarten versteigert und gelangte in den Besitz des Kreises. 1911 eröffnete man hier das seit 1865 bestehende Zieten-Kreisheimatmuseum. Der Garten selbst diente seit 1925 als botanisches Museum.

Im Jahr 1965 richtete man in der Villa ein Café ein, welches im Jahr 1972 durch einen Anbau ergänzt wurde.

Seit 1995 wurden für Sanierungsarbeiten an den Gebäuden, der Nordmauer und der Bastion ca. 960 TEUR investiert, speziell für die Bastion 230 TEUR (Kommunaler Anteil 46 TEUR, Bund/Land- Anteil 184 TEUR). Hinzu kommen die Aufwendungen des Tempelgartenvereins, der seit seiner Gründung im Jahr 1995 als Pächter die Wiederherstellung der historischen Gartenanlage tatkräftig unterstützt und den Garten mit Veranstaltungen belebt.
(Quelle: BW&P)


Die Bastion
Aus der Umbauphase in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts stammt der als Bastion bezeichnete Übergang der Ummauerung mit seiner Anbindung an die Stadtmauer. Die Anlage wurde auf den ehemaligen Wallanlagen errichtet und ist durch die unterschiedlichen Niveaus in ihrer Standsicherheit gefährdet. Hinzu kam der Wurzeldruck der Linde, der zu erheblichen Verformungen der Mauerfelder führte. Vielfache Reparaturversuche in den letzten Jahrzehnten konnten den andauernden Verfall der wertvollen Bausubstanz nicht Einhalt gebieten.

In das Mauerwerk sind sechs Terrakotta - Schmuckelemente eingelassen Diese Elemente sind schwer beschädigt und sollen weitestgehend restauriert werden.

Im Rahmen der Sanierungsarbeiten wurde im Jahr 2003 festgestellt, dass aus den Gräben der Wallanlage ein Durchfluss unterhalb der Bastion bestand und die Brücke tatsächlich eine Brückenfunktion ausfüllte. Die Verfüllung des Grabens im Bereich des außerhalb gelegenen Walls, sowie die ungepflegte Vegetation führten zu einer Erhöhung des Niveaus, weshalb heute die damaligen Gartenanlage, mit ihrer dramatischen Inszenierung "Wolfsschlucht" nicht mehr nachvollziehbar bzw. erlebbar ist.

Neuruppin gehört zu den ersten Städten, die 1991 ins Programm "Städtebaulicher Denkmalschutz" aufgenommen wurden. In der großen Altstadt ist seitdem die Sanierung zahlreicher Einzelbauten erfolgt, vorwiegend aus der Zeit nach dem großen Stadtbrand Ende des 18. Jahrhunderts. Hiermit soll auch künftig die Bedeutung der Innenstadt als Wohnort gestärkt und der vorhandene Gebäudeleerstand beseitigt werden. Daneben bemühte sich die Stadtverwaltung erfolgreich um die Stärkung der Innenstadt als Stadtzentrum und touristischer Anziehungspunkt. Die Neugestaltung wichtiger Straßen und Plätze einschließlich der Schaffung einer Fußgängerzone, die Neuordnung der Verkehrsverhältnisse und die bessere Verknüpfung der Altstadt mit dem Ufer des Ruppiner Sees sind dabei die herausragenden Maßnahmen.

Das MSWV stellte seit 1991 für Stadterneuerung und Stadtentwicklung einen Gesamtförderbetrag von 28 Mio. EUR zur Verfügung.

Auszeichnungsveranstaltung: Die Bastion im Neuruppiner Tempelgarten als Denkmal des Monats April ausgezeichnet
Am 23. April 2004 stand die Bastion im Neuruppiner Tempelgarten im Mittelpunkt der Aktion "Unser Denkmal des Monats" der Arbeitsgemeinschaft"Städte mit historischen Stadtkernen" des Landes Brandenburg. Die Auszeichnungsveranstaltung fand im Rahmen der Eröffnung der Ausstellung "Der grüne Mantel der Städte - Brandenburgische Stadtbefestigungen einst und jetzt" im Rahmen der Kulturlandkampagne 2004 im Tempelgarten statt. Zwar noch nicht vollständig wieder hergestellt vermochte die Bastion ein gutes Bild von der historischen Situation im Tempelgarten vermitteln. Hiermit ist ein besonderes Stück Neurupppiner Stadtgeschichte wieder hergestellt worden. Harry Müller, frisch gewählter Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft, und Hans-Joachim Stricker, Ministerium für Stadtentwicklung, Wohnen und Verkehr, überreichten gemeinsam die Urkunde an Bürgermeister Otto Theel. Im Anschluss gab Architekt Selle einen Einblick in die vorgenommenen Sanierungen und die Besonderheiten der Bastion.

Text: Arne Krohn, Martina Ribbe - Stadt Neuruppin
Fotos: Architekturbüro Selle, Messbildstelle, complan GmbH, Fotodesign Hirsch/Fahlbusch



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