|
zurück
Aktion
„Denkmal des Monats“
Denkmal des Monats im April in Beeskow ausgezeichnet
Erst die Menschen machen die Denkmale lebendig und eine Stadt lebenswert. Dies resümierten die Teilnehmer der Auszeichnungsveranstaltung des Fachwerkhauses in der Beeskower Bodelschwinghstraße Nr. 5. Herz, Mut zum Risiko und viel Engagement der Eigentümer steckt in jedem Winkel des liebevoll sanierten Denkmals. Dies zahlt sich aus, hat Beeskow durch die bereits Mitte der 90er durchgeführte Sanierung ein Vorbild erhalten, dem in Folge eifrig rund um den Kirchplatz nachgeifert wurde. Den Eigentümern wurde mit der Auszeichnung für ihren Mut und ihr Herz gedankt. Einst in ruinösem Zustand strahlt nicht nur das kleine Ensemble in neuem Glanz, der gesamte Beeskower historische Stadtkern zeigt sich von seiner besten Seite. Die Gäste der Auszeichnunsgveranstaltung konnten sich im Anschluss der Verleihung anlässlich der Eröffnung des Darrturmes als Ausstellungsraum überzeugen. Hier kann man nun eine authentische historische Tischlerei besuchen - ein Andenken an einen der vielen ehemaligen und heutigen Beeskower Tischlermeister.
April
2006 / Wohnhaus in der Bodelschwinghstraße Nr. 5 / Beeskow
Der
Ortsname Beeskow - altsorbisch bezkov - geht wahrscheinlich
auf einen slawischen Flur oder Siedlungsnamen zurück und bedeutet:
Ort, an dem der Holunder wächst. Erste Siedlungsanfänge
lagen vor dem 12. Jahrhundert. Auf einer Spreeinsel als ältestem
Wohnort lag eine slawische Siedlung. Daneben entstand später
eine deutsche Wasserburg, in deren Schutz am Westufer der Spree
die Stadt Beeskow. Sie gilt ihres regelmäßigen Grundrisses
wegen gleichsam als Schulbeispiel einer ostdeutschen Kolonialstadt.
Ihre besondere Lage an der schiffbaren Spree und an der Handelsstraße
Leipzig- Frankfurt (Oder) begünstigten eine erfolgreiche Entwicklung.
Handel und Wandel florierten, Handwerk und Gewerbe prägten
und prägen heute noch die Stadt.
Das
Grundstück Bodelschwingh Str.5 liegt im Geltungsbereich der
Erhaltungs,- Gestaltungs und Denkmalbereichssatzung der Stadt Beeskow.
Im weiterem liegt das Wohnhaus im Sanierungsgebiet Beeskower Altstadt.
Es grenzt hofseitig an den Kirchplatz und straßenseitig an
die Bodelschwingh Straße, eine der beiden Nord-Süd-Hauptachsen
innerhalb der Stadtmauer, und bildet im Südteil den Abschluss
der Gasse zwischen Kirchplatz und Bodelschwinghstraße. Es
stellt daher eine städtebauliche Dominante dar.
Das zweigeschossige Hauptgebäude steht mit der Traufseite
zur Straße, ist quergegliedert mit durchlaufendem Flur und
über eine zweiflügelige Haustür mit Oberlichtfenster
erschlossen. Es ruht auf zwei im rechten Winkel zueinander angelegten
Kellergewölben, die unstrittig von
einem mittelalterlichen Vorgängerbau stammen. Die Außen
und Innenwände bestehen größtenteils aus
Fachwerk, zum Teil aus Lehmstaken und zum Teil aus Ziegelgefachen.
Die Fassade wurde nachträglich vermutlich vor ca. 100
Jahren, als Fachwerk aus der Mode
gekommen war- verputzt. Das Dachtragwerk besteht aus einem Kehlbalken-Sparrendach
mit liegendem Stuhl. Es bildet mit dem gesamten Bau eine Einheit
und entstammt aus dem 18.
Jahrhundert. Die Fenster und die Haustür sind im Laufe der
Jahre verändert worden. Die jetzige Haustür wird auf das
Jahr 1840 datiert.
Das
seitlich anschließende Nebengebäude ist ebenfalls ein
zweistöckiger Fachwerkbau, der zwar etwas jünger als das
Hauptgebäude, aber auch mehr als 160 Jahre alt ist. Das
Kehlbalken-Sparrendach mit einfach stehendem Stuhl ist teilweise
erneuert worden. Als ein besonderer Wert ist die hofseitig angelegte
Oberlaube (Galerie) anzusehen, wie sie in den Dörfern der Mark
Brandenburg in den 17./18. Jahrhundert an Stallgebäuden weit
verbreitet war. Das gegenüberliegende anderthalbstöckige
Stallgebäude aus Backstein und das hintere kleine Quergebäude
sind erheblich jünger, auf jeden Fall keine 100 Jahre alt,
wenngleich die Fundamente u.a. auf Vorgängerbauten hindeuten.
Die 1994 beginnende Sanierung konzentrierte sich auf das Bewahren
und Aufwerten der Bausubstanz von Haupt und Seitengebäude.
Im Einzelnen wurden folgende Punkte als denkmalpflegerische Zielstellung
erarbeitet:
- das Fachwerk der Außenwände wurde freigelegt und sichtbar
belassen
- die Holzkonstruktion und die Gefache wurden weitestgehend erhalten
- der Dachstuhl des Hauptgebäudes wurde erhalten
- die Oberlaube wurde in ihre historische Form zurückverwandelt
- die Haustür- einschließlich Fassung- wurde aufgearbeitet
In
Anbetracht der zahlreichen wertvollen und erhaltenswerten Einzelelemente
stellt das Grundstück Bodelschwingh Straße 5 ein höchst
bedeutsames Baudenkmal dar. Aus einem sehr schlechten substanziellen
und ausstattungsmäßigen Zustand wurden unter
Einsatz der eigenen Leistungen und finanzieller Unterstützung
aus dem
Städtebauförderprogramm 5 moderne Wohnungen unter Bewahrung
der historischen Substanz geschaffen. Die Baukosten wurden im Jahr
1994 auf ca. 1,3 Mio DM veranschlagt. Die förderfähigen
Kosten beliefen sich auf 871.500 DM, entsprechend B3.1. der Städtebauförderrichtlinie.
Text und Fotos: Sanierungsbüro Müller, Sanierungsbeauftragter
der Stadt Beeskow
|