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Aktion „Denkmal des Monats“

Juni 2004 / Georgenkapelle und Hausmannsturm in Luckau

Georgenkapelle und Hausmannsturm -
Ein markantes Gebäudeensemble in der Mitte der Stadt

Reisende und Besucher, die Luckau aus verschiedenen Himmelsrichtungen erreichen oder auch nur vorbei fahren, sehen neben der Nikolaikirche den alles überragenden Hausmannsturm als markanten Teil der Stadtsilhouette. Der Turm mit der Georgenkapelle liegt in der Mitte des durch eine Stadtmauer gefassten historischen Stadtkerns von Luckau.

In Ost-West Richtung auf der südöstlichen Seite des Markplatzes in der Altstadt von Luckau steht die Kapelle "St. Georgii", heute als Georgenkapelle bezeichnet, mit dem an der Westseite angefügten und ca. 47 m hohen Hausmannsturm. Im Inneren der Georgenkapelle fallen besonders das Netzgratgewölbe und das Sterngewölbe mit den fein profilierten und nachgezeichneten Rippen auf.

Ursprünge des Ensembles
Archäologische Funde lassen die Annahme zu, dass die Kernstadt von Luckau aus zwei separaten Siedlungen entstanden ist. Einer dieser Siedlungskerne befindet sich mitten in der Stadt um den Marktplatz mit eben dieser Georgenkapelle.

Die erste urkundliche Erwähnung als "capella sancti georgii" ist aus dem Jahr 1384 datiert. Archäologische Grabungen und Funde lassen aber die Vermutung zu, dass dieser im Kern spätromanische Kirchenbau im 12. Jahrhundert entstand und möglicherweise einen hölzernen Vorgängerbau hatte. Damit war sie die älteste Pfarrkirche der Stadt.

Geschichte
Durch den monumentalen Ausbau der Nikolaikirche verliert die kleine Kirche in der Stadtmitte an Bedeutung. Bereits 1386 wird die Georgenkirche nur noch als Kapelle bezeichnet, wie aus einer Urkunde zu entnehmen ist.

Aus einem Aufruf des Bischofs von Meißen im Jahr 1489, der einen 40-tägigen Ablass gewährt für Spenden zur Wiederherstellung der Kaplanei und Kirche, lässt sich schlussfolgern, dass der bauliche Zustand der Georgenkapelle zu dieser Zeit nicht sehr gut war.

Im 15. und 16. Jahrhundert ist eine rege Bautätigkeit in und an der Kapelle nachweisbar. Öffnungen und Zugänge wurden so verändert, dass der typische romanische Backsteinbau verdeckt und Gestaltungselementen der Gotik und Renaissance weichen musste. In dieser Zeit wurde an der Westseite der Halle und auf Teilen der ursprünglich zur Georgenkapelle gehörenden Fundamente, möglicherweise auch auf Teilen eines nicht mehr auffindbaren Kirchturmes, ein massiver Turm errichtet.
Mit der Reformation endete die Funktion der Georgenkapelle als Gotteshaus.
1656 erfolgte eine Verstärkung und Erhöhung des Turmes. Die beiden leicht zurückgesetzten Turmgeschosse bekrönt von einer Schieferhaube und die doppelte Laterne für die Glocken wurde aufgesetzt. 1697 wird die Georgenkapelle zur städtischen Wache und im Turm wird die Stube für den Hausmann, der dem Turm auch seinen Namen gab, eingerichtet. Fortan wurde von dieser höchsten Stelle aus die Stadt bewacht, die Uhrzeit angesagt, Freunde und Feinde angekündigt und Feuer gemeldet. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verlässt der letzte Hausmann seinen Posten in der Turmstube des Hausmannsturmes.

Die Georgenkapelle wird fortan als Spritzenhaus der Feuerwehr, Getreidelager und später auch als Fahrradaufbewahrung genutzt.

1930 -1931 verursachen schwere Unwetter so starke Schäden am Turm, dass eine Reparatur an der Eindeckung zwingend erforderlich wird.

1965 - 1967 wird die Georgenkapelle modernisiert und zum Festsaal für die Stadt umgestaltet. Auch das Mauerwerk des Hausmannsturmes wird notdürftig repariert.

Die Jahrhunderte, die Witterung und ungeeignete Baumaterialien haben die Substanz des Ensembles verschleißen lassen. Immer dringlicher wurden die Reparaturen.

Erhaltung und Sanierung nach 1990
Als die Stadt mit der Wende 1990 erste Fördermitteln zum Erhalt und zur Restaurierung ihrer historischer Bausubstanz erhält, entschließt sie sich, dieses bedeutende Gebäudeensemble "Georgenkapelle/ Hausmannsturm" in der Mitte des Marktplatzes und in unmittelbarer Nähe zum Rathaus umgehend zu sichern und zu erhalten. Mit der vollständigen Einrüstung des Hausmannsturmes 1991 beginnen die Planungen und Baumaßnahmen für eine schrittweise Sanierung des Gesamtensembles. In die Pläne und Konzepte fließen auch Überlegungen für eine langfristige kulturelle und touristische Nutzung der Georgenkapelle und des brachliegenden Hausmannsturmes ein. 1996 -1997 erfolgen mit den Instandsetzungs- und Restaurierungsmaßnahmen an der Gebäudehülle der Georgenkapelle auch archäologische Grabungen an den Außenwänden. Die Funde über und unter der Erde förderten Interessantes über die Baugeschichte des Gebäudeensembles, Stadtgeschichtliches und Entwicklungsgeschichtliches zu Tage. Gleichzeitig wurden aber auch neue Fragen aufgeworfen.

Um die Funde an der Nordseite auch zukünftigen Generationen zu zeigen, hat die Stadt im Bereich des Nordportals ein archäologisches Fenster offen gelassen. An dieser Stelle kann der Betrachter die bauliche Entwicklung der Georgenkapelle und die Anhebung des Gehniveaus um etwa 2,60 m über die Jahrhunderte betrachten. Im Zugangsbereich dieses Portals wurde auch der Leitersarg eines Neugeborenen gefunden. An der Fassade der Nordseite findet sich in etwa 2,50 m Höhe ein etwa 40 x 40 cm großer Kopf aus Raseneisenstein, der mit den jüngsten Instandsetzungsarbeiten freigelegt wurde. Es wird vermutet dass es sich bei diesem Artefakt um einen romanischen Christuskopf handelt. Neben der Wiederherstellung der bemalten Gewölberippen entsprechend den Befunden fallen im Inneren besonders die in Teilen freigelegten Malereien der Kapelle und im Tonnengewölbe des Hausmannsturmes auf.

Öffnung zur Landesgartenschau 2000
In die Zeit der Vorbereitung der Sanierungsmaßnahmen im Inneren von Hausmannsturm und Georgenkapelle fiel 1997 die Entscheidung zur Ausrichtung der 1. Landesgartenschau Brandenburgs im Jahr 2000 in der Stadt Luckau. In der Mitte des Landesgartenschaugeländes liegend, kam der Herrichtung der Innenräume von der Georgenkapelle und dem Hausmannsturm als Aussichtspunkt über dem Gelände liegend eine besondere Bedeutung zu. Der Stadt Luckau gelang es, gemeinsam mit den beteiligten Ämtern, Behörden, Planern und Restauratoren zügig die erforderlichen Schritte umzusetzen, so dass die Bau- und Restaurierungsarbeiten an den Gewölben der Georgenkapelle und der besucherfreundliche Zugang zur Türmerstube im Hausmannsturm zur Landesgartenschau abgeschlossen waren.

Heute wird die Georgenkapelle wieder regelmäßig für Trauungen und kulturelle Veranstaltungen verschiedenster Art von Klassik bis Modern, Spiel, Spaß und Kunst genutzt. Der Hausmannsturm steht Besuchern am Tag zur Besteigung und Besichtigung offen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Sanierung des Ensembles
Der Stadt Luckau sind für die Gesamtmaßnahme (ohne Turmuhr) Baukosten in Höhe von 654.576,21 Euro entstanden. Die Gesamtförderung der verschiedenen Fördergeber betrug 565.063,94 Euro. Durch das MSWV wurden bis 31.12.2003 Fördermittel in Höhe von 378.442,40 Euro zum Erhalt, Instandsetzung und Restaurierung des Denkmalensembles gewährt.

Die Instandsetzungsarbeiten sind allerdings noch nicht vollständig abgeschlossen. Ein baulich eher untergeordneter aber sehr wichtiger Teil des Gesamtensembles ist noch nicht instand gesetzt. Das Uhrwerk und die Zeiger der im 19. Jahrhundert eingebauten und aus allen vier Himmelsrichtungen erkennbare Turmuhr ist verschlissen. Erstmals 1910 erneuert und nach der letzten großen Reparatur des Uhrwerkes und der Erneuerung der Zifferblätter im Jahr 1986 tat die Uhr über die Jahre, auch dank der guten Wartung durch die beauftragte Uhrmacherfirma Kolleß, ihre Dienste.

Die Verschleißerscheinungen sind jetzt aber so stark, dass die Uhr nicht mehr richtig funktioniert. Eine vollständige Überarbeitung des Uhrwerkes einschließlich Zeiger macht sich deshalb erforderlich. Dazu soll die Uhr zum Abschluss der 1991 begonnen Sanierungsarbeiten noch 2004 abgebaut und restauriert werden.

Sanierung in Luckau
Dieses bedeutende und das Stadtbild in besonderem Maße prägende Denkmalensemble am Marktplatz, d.h. in der Mitte der Altstadt, ist ein wichtiger Teil des Gesamtsanierungsstrategie der Stadt. Damit hat sich die Anzahl der noch unsanierten Gebäude am Marktplatz weiter reduziert. Seit der Aufnahme der Stadt Luckau 1991 in das Förderprogramm "Städtebaulicher Denkmalschutz" wurden ca. 21,4 Mio Euro Städtebaufördermittel davon ca. 17,7 Mio Euro aus dem Programm "Städtebaulicher Denkmalschutz" bereitgestellt. Neben der Modernisierung und Instandsetzung stadtbildprägender öffentlicher und privater Gebäude bildet die Grunderneuerung der Straßen und Plätze den Schwerpunkt der Stadterneuerung in den kommenden Jahren. Ziel ist es, den historischen Stadtkern für die Bewohner und Gäste noch lebenswerter und attraktiver zu gestalten.

Auszeichnungsveranstaltung
In die Veranstaltungen zum diesjährigen Luckauer Heimat- und Schützenfest am 26. / 27.06.2004 eingebettet, findet die Auszeichnung des Gebäudeensembles "Georgenkapelle / Hausmannsturm als "Denkmal des Monats" durch die Arbeitsgemeinschaft "Städte mit historischen Stadtkernen" statt. Die Urkunde wird dem Luckauer Bürgermeister, Harry Müller, am 27.06.2004 um 11.00 Uhr vor dem Nordportal der Georgenkapelle überreicht.

Im Anschluss wird in einer kleinen Ausstellung in der Georgenkapelle Wissenswertes über das Gebäudeensemble vermittelt. Jeder kann den Hausmannsturm besteigen und den Ausblick über die grüne Stadt Luckau genießen.

Alle Gäste und Bewohner der Stadt sind herzlich zu dem sich anschließenden Frühschoppen und zu den anderen Veranstaltungen des Heimat- und Schützenfestes auf dem Marktplatz eingeladen. Zusätzlich kann die Ausstellung "Der grüne Mantel der Städte" in den Luckauer Wallanlagen besichtigt werden. Im Anschluss an die Auszeichnung werden ein Rundgang durch die Stadt und die Wallanlagen angeboten.

Text und Fotos: Ingenieurbüro Marlies Donath, Luckau; Architekturbüro Sasse

Fotos: Georgenkapelle/ Hausmannsturm
Grundriss und Schnitt Georgenkapelle aus Bestandsaufnahme (Architekturbüro Sasse)

Herausgeber: Geschäftsstelle Arbeitsgemeinschaft, 02.06.2004

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