|
zurück
Aktion
„Denkmal des Monats“
August
2006 / Brandenburg an der Havel/
Domlinden 25,
Evangelische Grundschule
Da s Gebäude beherbergt heute die evangelische Grundschule, einst war es Wohnhaus der Brandenburgischen Domherren. So viel Geschichte soll beflügeln wünscht den Schülern Prof. Dr.-Ing. Helmut Reihlen, Kurator des Domstifts Brandenburg, und freut sich über die Urkunde, die er aus den Händen von Michael Knape, Bürgermeister der Stadt Treuenbrietzen und Vorsitzender der Regionalgruppe Süd-West der Arbeitsgemeinschaft, erhält. Steht man doch auch an einem erwürdigen Ort, denn auf der Dominsel nahm von rund 850 Jahren die Geschichte Brandenburgs ihren Anfang. Im nächsten Jahr erwarten die Stadt eine Vielzahl an Aktivitäten rund um das besondere Landesjubiläum. Die Oberb ürgermeisterin der Stadt Brandenburg, Dr. Dietlind Tiemann, freut sich bereits jetzt auf das besondere Jahr. Anschließend luden Schüler zur praktischen Erkundung des Denkmals, das während seiner Sanierung oft Gegenstand intensiver Diskussion aller Sanierungsbeteiligten war. Auch die Schüler haben sich im Rahmen einer Projektwoche intensiv mit der Geschichte des Denkmals auseinandersetzen können.
Das Denkmal
Die Dominsel in der Stadt Brandenburg an der Havel wird durch den leicht erhöht liegenden Dombezirk geprägt. Zu dessen bau- und kulturhistorisch äußerst wertvollen Baubestand gehören neben dem Dom St. Peter und Paul, der Ritterakademie und den Klausurgebäuden auch sechs Domkurien, die den Domherren nach Aufhebung ihres gemeinsamen Stiftlebens als Wohnsitz dienten.
Die Domkurie VI, Domlinden 25, wurde 1803 nordöstlich der Klausur im Bereich des damaligen Dom-Wirtschaftshofes für Heinrich Wilhelm Ferdinand von der Schulenburg errichtet. Das Geschlecht derer „von der Schulenburg“ war dem Domstift Brandenburg eng verbunden, bereits 1365-1393 war Dietrich von der Schulenburg Bischof in Brandenburg. Heinrich Wilhelm Ferdinand von der Schulenburg (1766-1830) besuchte als Zögling von 1780-1783 die Ritterakademie am Dom und erwarb 1801 eine Pfründe am Domstift Brandenburg für 25.000 Reichstaler von dem Domherren Freiherr von Stein. 1805 wurde H.W.F. von der Schulenburg als Dechant des Domkapitels bestätigt, bis 1828 hatte er das Amt des Kurators der Ritterakademie inne.
Bei der Schulenburgschen Kurie handelt es sich um ein gut erhaltenes Beispiel eines großzügig konzipierten Wohngebäudes des frühen 19. Jahrhunderts mit wesentlichen Details aus der Erbauungszeit.
Der stattliche freistehende Ziegelbau mit Mansarddach wird in der Mittelachse über eine Freitreppe erschlossen. Sein Haupteingang führt in ein ansprechendes Entree mit raumgreifender Treppenanlage. Von hier erschließen sich die Zi mmerfluchten, in deren Zentrum ein repräsentativer Saal liegt. Im seitlichen Anbau waren die Küche sowie ein Nebentreppenhaus untergebracht. Der bauzeitliche Grundriss ist durch Pläne dokumentiert, die bei einer Bauaufnahme der Domklausur im Jahre 1827 angefertigt und heute im Domstiftsarchiv aufbewahrt werden. Lediglich kleinere Veränderungen sind auf Renovierungen in den Jahren 1918 und 1967 zurückzuführen. Vor ihrem Umbau zum Schulgebäude wurde die Domkurie u.a. als Verwaltungssitz der benachbarten Brandenburger Mühlenwerke, durch das Domstiftsarchiv, als Büro des Dommuseums sowie allgemein zu Bürozwecken genutzt.
Im Sommer 2000 hatte die im Aufbau befindliche Ev. Grundschule den Schulbetrieb zunächst in den Räumen der Ritterakademie aufgenommen. Mit Beginn des Schuljahres 2004/05 konnte die Domkurie Domlinden 25 nach rund einjähriger Bauzeit als Sitz der Ev. Grundschule feierlich eingeweiht werden. Auf 250 m² Nutzfläche sind zwei Klassenzimmer mit angrenzenden Gruppenräumen, die Schulbibliothek sowie verschiedene Räume der Schulverwaltung entstanden. Der aufwändig renovierte Saal dient als Pausen- und Aufenthaltsraum. In der ehemaligen Remise, Domlinden 25, einem im Kern mittelalterlichen Wirtschaftsgebäude, befindet sich ein naturwissenschaftliches Kabinett und eine Schülerküche. Seit Schuljahresbeginn 2006/07 steht der Ev. Grundschule mit dem nahe gelegenen, frisch sanierten Schulgebäude Burgweg 8 ein weiterer Standort zur Verfügung.
Die vorbildliche, denkmalgerechte Instandsetzung der Domkurie Domlinden 25 ist Teil der kontinuierlichen und anspruchsvollen Sanierungsarbeiten, die das Brandenburger Domstift an seinem Gebäudebestand vornehmen lässt. Die Kurie Domlinden 25 wurde nach historischem Befund und unter größtmöglichem Erhalt originaler Bauteile saniert. Dabei trägt die Gestaltung von Freiflächen und Zaunanlagen nach historischem Vorbild wesentlich zum stimmigen äußeren Erscheinungsbild bei. Im Inneren konnte die ursprüngliche Raumstruktur weitgehend beibehalten werden. Denkmalpflegerische Kompromisse zugunsten der künftigen Schulnutzung ermöglichten die Zusammenlegung einzelner Stuben zu Klassenzimmern sowie den giebelseitigen Anbau der baurechtlich erforderlichen Fluchttreppe.
Für die Instandsetzung der Gebäudehüllen von Domkurie und Remise wurden rund 390.000 EUR, für die Freiflächen rund 170.000 EUR aus dem Programm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ zur Verfügung gestellt.
Text und Fotos: Stadtverwaltung Brandenburg an der Havel, Bauamt / Denkmalschutz / complan GmbH
|