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Aktion
„Denkmal des Monats“
September
2005 / St. Marienkirche zu Kyritz
Bauliche Dominante der Altstadt
Wie
in vielen Städten Brandenburgs prägt auch in Kyritz die
Kirche im Zentrum des historischen Stadtkerns das Stadtbild. Kirchenschiff
und insbesondere die Doppelturmfront erheben sich dominant über
die übrige Bebauung der Altstadt. Ursprünglich war die
St. Marienkirche dem heiligen Nicolaus, dem Schutzpatron der Kaufleute
und Seefahrer, geweiht. Erst nachdem die Marienverehrung insbesondere
nach den Kreuzzügen im 12. und 13. Jh. eine verstärkte
Verbreitung erfuhr, wurde der Hauptaltar der Heiligen Maria geweiht
und die Kirche umbenannt.
Baugeschichtlich gehört die Kirche zu den ältesten Bauwerken
der Stadt. Die ältesten erhaltenen Bauteile findet man im Chor.
Das frühgotische Feldsteinmauerwerk stammt vermutlich aus dem
Ende des 13. Jahrhunderts. Zahlreich sind bauliche Wiederherstellungsmaßnahmen
insbesondere nach Bränden überliefert. Nicht nur Stadtbrände
zerstörten das Bauwerk, sondern auch Blitzschlag und kriegerische
Auseinandersetzungen. Trotz zahlreicher Brände verfügt
die Kirche über eine sehenswerte Ausstattung. Die heutige Innenraumgestaltung
erfolgte in den Jahren 1904/05. Damals entfernte man den Kalkputz
und beließ die Pfeiler, die Rippen der Kreuzgewölbe sowie
die Formsteine der Spitzbögen ziegelsichtig. Das Rot dieser
Ziegel und die hellen Putzflächen gliedern den Kirchenraum
filigran und kontrastreich. Mit der Innenraumerneuerung erfolgte
ebenfalls der Einbau der farbigen Kirchenfenster.
Heute sind die wesentlichen baugeschichtlichen Zäsuren im Bauwerk
lesbar. Am Chor sind die ältesten Wandteile aus Feldsteinquadern,
die von gotischen Vorgängerbauten erhalten blieben, zu sehen.
Das Kirchenschiff zeigt eine barocke Fassung, die den jetzigen Bau
eindeutig prägt, und die Doppelturmfront der Westseite gehört
baugeschichtlich zum nachklassizistischen Historismus. Bei deren
Sanierung orientierte man sich an der originalen Entwurfszeichnung
Friedrich August Stülers aus dem Jahr 1849.
Beispiele für die Wiederherstellung der bauzeitlichen Fassung
sind die Turmspitzen, die statt der zwischenzeitlichen Schieferdeckung
wieder in Zinkblech hergestellt wurden und die Verfugung mit rotem
Mörtel bzw. der rotfarbene Mörtelüberzug zu den Giebelflächen.
Ergänzt wurde die vermutlich in den 1950er Jahren verlustig
gegangene Kreuzblume auf der Giebelspitze der Westfront. Bei der
nachträglich eingefügten Uhr auf dem Giebel wurde auf
das bisher vorhandene weiße Ziffernblatt verzichtet und eine
dezentere Gestaltung gewählt.
Als
markantes Bauwerk der Stadtsilhouette war die Erneuerung der Kirche
ein wichtiges Ziel der Sanierung der Altstadt. Umfang und Kosten
der Maßnahme erforderten sowohl vom Eigentümer, der evangelischen
Kirchengemeinde, aber auch von der Stadt, das Gesamtvorhaben in
drei Abschnitte zu gliedern und über drei Jahre zu strecken.
Der erste Bauabschnitt umfasste die Westfront mit den beiden Türmen.
Die Realisierung dieses Bauabschnittes war problematisch, weil begrenzte
Zugangsmöglichkeiten in der Planungsphase die Ermittlung des
Schadensumfangs erschwerten. Zudem wurden auf Grundlage detaillierter
bauzeitlicher Zeichnungen umfangreiche Abstimmungen zur Ausführung
der baulichen Details vorgenommen, z.B. zur Ausgestaltung der ursprünglich
vorhandenen Glocken. Nach Erneuerung des Daches bildete die Gestaltung
der Fassade den dritten Bauabschnitt. Im Ergebnis der Sanierung
der baulichen Hülle, die in den Jahren 2001- 2003 mit Gesamtkosten
von 1.5 mio EUR unter Verwendung von 500 TEUR Städtebaufördermitteln
erfolgte, konnte die Fassade mit einem hohen Anteil barocker Stilelemente
wieder hergestellt werden.
Text und Bilder: Originalzeichnung von Friedrich August Stüler,
Stadt Kyritz, ews Stadtsanierungsgesellschaft, Berlin
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