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Aktion „Denkmal des Monats“

September 2006 / Peitz / Festungsweg 8

nachherEin markantes Bauwerk im Stadtzentrum von Peitz ist das ehemalige Gefängnis. Das zweigeschossige Gebäude befindet sich auf dem Gelände der ehemaligen Unterfestung der Zitadelle Peitz, mit deren Bau 1559 begonnen wurde. Bis zum Ende des 16. Jahrhunderts wurde die Zitadelle nach den Plänen der Baumeister Francesco Chiaramella und Graf Rochus zu Lynar vollendet. Der Rest eines Magazingebäudes der ehemaligen Zitadelle Peitz aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts bildet das Erdgeschoss des Hauses Festungsweg 8. Die Wandstärken betragen auf der Ost- und Südseite ca. 1,25 m und auf der Westseite ca. 1,5 m.

Nach 1790 sollen angeworbene Tuchmacherfamilien im Festungsweg 8 untergebracht worden sein, bevor das Gebäude als Stadtgefängnis genutzt wurde. Auf dem Lageplan von 1865 steht geschrieben: „Gefängnis,  massiv mit Ziegeldach“. Der seinerzeit bestehende Bau wurde 1879 unter Verwendung des vorhandenen Erdgeschosses umgebaut und aufgestockt. Der Einbau neuer Trennwände für die Zellen des Erd- und Obergeschosses erfolgte im damals üblichen „Reichsformat“. Ein dreifaches „deutsches Band“ trennt beide Geschosse optisch voneinander. Die Fassade des Obergeschosses bestand aus Ziegeln und rötlichem Ziegelmörtel. Der Dachstuhl wurde als Pfettendach mit Drempelstuhl ausgeführt. Das Dach erhielt eine Dachdeckung mit Schiefer.                                                                                                                                                        
Invorher beiden Geschossen befanden sich je vier Zellen, zusätzlich war im Obergeschoss die Wohnung des Gefängniswärters untergebracht. Vermutlich wurde seit den 1930er Jahren das gesamte Obergeschoss zu Wohnzwecken genutzt. In diesem Zusammenhang kam es zur Vergrößerung der Fenster, die Brüstungshöhe wurde bis auf das heutige Niveau abgesenkt. Im Inneren des Gebäudes ist die Gefängnis- und spätere Wohnnutzung noch heute ablesbar. Durch einen in Längsachse des Hauses angelegten mittigen Flur wurden die Zellen erschlossen. Heute lädt eine helle und großzügige Küche nebst Speisezimmer zum Verweilen ein.

Im vorherJahr 2000 ereilte die Stadt Peitz ein Glücksfall. Die ehemalige Kanzlerin der Universität Cottbus verliebte sich in das Gefängnis, sanierte es sorgsam entsprechend den denkmalpflegerischen Anforderungen und nannte dies „eine komplett verrückte Aktion“. Allein das Durchtrocknen der 1,5m dicken Wände mit dem Verfahren der so genannten Mikrowellentrocknung erforderte ein hohes Maß an technischem Verständnis. Die Kosten hierfür beliefen sich auf rund 10.000 EUR. Dank des hohen Engagements der Eigentümerin ist seit einigen Jahren wieder Leben in die ehemaligen Gefängniswände eingekehrt. Im Rahmen der Sanierung des Einzeldenkmals wurden für die Instandsetzung der baulichen Hülle 164.000 EUR verausgabt, rund 61.000 EUR wurden aus dem Bund-Länder-Programm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ zur Verfügung gestellt.

Text/Fotos: Amt Peitz, Bauamt

 

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