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Aktion
„Denkmal des Monats“
Oktober
2004 / Stadtmauer mit Ring und Kaisergarten in Angermünde
Angermünde
- im Schutz der Burg
Im Grenzland der Oder entstand an der Kreuzung wichtiger Handelsstraßen
um 1200 die Angermünder Burg. In ihrem Schutz gründete
der brandenburgische Markgraf Johann I. um 1233 die Stadt. Bereits
um 1250 ließ sich der Orden der Franziskaner hier nieder.
Die Mönche waren maßgeblich am ersten großen "Ketzerprozess"
von 1336 gegen die Waldenser beteiligt, bei dem 14 Menschen öffentlich
auf dem Markt verbrannt wurden. Daraufhin war die Stadt bis ins
16. Jahrhundert als "Ketter-Angermünde" bekannt.
Das Aussterben der askanischen Markgrafen 1320 führte zu häufigem
Herrschaftswechsel. Erst
1420 eroberten die Brandenburger in der Schlacht von Angermünde
die Stadt endgültig zurück.
Der 30jährige Krieg brachte Leid und Elend. Am Ende des Krieges
lebte nur noch ein Zehntel der Bevölkerung. Vier Fünftel
der Häuser waren unbewohnbar. Erst die Ansiedlung von Hugenotten
und Pfälzern ab 1687 sowie die Einrichtung einer Garnison 1694
brachten neuen wirtschaftlichen Aufschwung, der sich bis ins 19.
Jahrhundert fortsetzte. Mit der Ernennung zur Kreisstadt 1817, dem
Bau der Bahnlinie nach Stettin 1842/43 und der Industrialisierung
begann die Stadt über die Stadtmauern hinaus zu wachsen.
Die beiden Weltkriege forderten von den Angermündern zahllose
Opfer. Im Gegensatz zu den meisten anderen odernahen Städten
blieb Angermünde jedoch durch die kampflose Übergabe der
Stadt von Zerstörungen weitgehend verschont. Nach 1945 entwickelte
sich die Stadt zum regionalen Zentrum der landwirtschaftlich geprägten
südöstlichen Uckermark.
Die Befestigungsanlagen der Historischen Altstadt Angermünde
Stadtmauern sind Zeitzeugen der Gründungsgeschichte vieler
alter Städte. Die wirtschaftliche Stärke und die Bedeutung
einer Stadt
spiegeln sich auch in der Bauweise und Gestalt ihrer Stadtmauer
wider. Die meisten heute noch erhaltenen Befestigungsanlagen in
Brandenburg wurden im 13. bis 15. Jahrhundert errichtet.
Von der einst 2,7 km langen Stadtmauer um den historischen Stadtkern
Angermünde überdauerten nur einige Abschnitte den Wegfall
der Verteidigungsfunktion und das hauptsächlich im 19. Jahrhundert
einsetzende Expansionsstreben der Stadt. Eine Mauer aus Backstein
wie in Angermünde, die durchschnittlich 7 m hoch war und am
Fußpunkt eine Breite von 1,30 m erreichte, konnten sich nur
reichere Städte leisten. Getreidehandel hatte der Stadt Angermünde
einigen Wohlstand beschert. Die wirtschaftliche Kraft der Stadt
reichte aus, um diese kostenaufwendige Mauer selbst zu finanzieren.
Vier
Tore mit Tortürmen und 34 Weichhäuser sowie der heute
noch erhaltene Pulverturm verstärkten die Wehrhaftigkeit der
Anlage. Die vorgelagerten Wallanlagen sowie die natürlichen
und künstlichen Wasserhindernisse, die der Verstärkung
der Wehranlagen dienten, sind nicht mehr vorhanden. Lediglich im
Norden erinnert der unmittelbar an die Stadt angrenzende Mündesee
an die einstige Situation.
Von den vier Toren, dem Berlinischen Tor, dem Kerkauschen Tor, dem
Seetor und dem Schwedschen Tor sind nur die Namen geblieben. Das
Seetor ist im Wappen der Stadt verewigt. Auch die Weichhäuser
überdauerten die Zeiten nicht. Die erkennbaren Reste lassen
jedoch Rückschlüsse auf ihre Bauweise und Funktion zu.
Die
Sanierung der Angermünder Stadtmauer
Erhebliche Schäden am Bauwerk machten die Sanierung der
Angermünder Stadtmauer dringend erforderlich, die 1994 mit
Bestandserfassungen und umfangreichen Schaduntersuchungen begann.
Diese bildeten 1998 die Grundlage für die Sanierung des Pulverturms
und ab 2000 für die schrittweise Instandsetzung der Mauerabschnitte.
Da die Reste der Stadtmauer nicht überall in städtischem
Besitz waren, mussten Ankäufe getätigt bzw. Überlassungsvereinbarungen
abgeschlossen werden.
Die
über drei Jahre dauernde Sanierung erfolgte mit Hilfe von Arbeitsfördermaßnahmen
und unter Einsatz von Städtebaufördermitteln aus dem Programm
"Städtebaulicher Denkmalschutz" des Landes Brandenburg.
Der Bund und das Ministerium für Stadtentwicklung, Wohnen und
Verkehr des Landes Brandenburg stellten für die Sanierung der
Stadtmauer rund 600.000 EUR zur Verfügung. Insgesamt wurden
750.000 EUR für die Sanierung eingesetzt. Zusätzlich zur
Stadtmauersanierung wurde der bis dahin unterbrochene Rundweg um
die ehemalige Stadtmauer wieder hergestellt sowie der Park der ehemaligen
Gaststätte "Kaisergarten" neu gestaltet. Hierfür
stellte das Ministerium für Stadtentwicklung, Wohnen und Verkehr
weitere 80.000 EUR zur Verfügung. Die Sanierung der Stadtmauer
fand im Dezember 2003 mit der Fertigstellung der ehemaligen Burganlage
ihren Abschluss.
Die Stadt Angermünde ist bereits seit 1992 Mitglied der Arbeitsgemeinschaft
"Städte mit historischen Stadtkernen" des Landes
Brandenburg. Das Ministerium für Stadtentwicklung, Wohnen und
Verkehr stellte seit 1991 für Stadterneuerung und Stadtentwicklung
einen Gesamtförderbetrag von 20 Mio EUR zur Verfügung,
davon 17,5 Mio EUR aus dem Programm "Städtebaulicher Denkmalschutz".
Text und Fotos: Stadt Angermünde
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