|
zurück
Aktion
„Denkmal des Monats“
Oktober
2006 / Perleberg /
Rathaus
Die Stadt Perleberg, die 1239 das Stadtrecht erhielt und heute die Kreisstadt des Landkreises Prignitz ist, nimmt eine zentrale Rolle als Verwaltungsmittelpunkt mit wirtschaftlicher und kultureller Ausstrahlung ein. Der historische Stadtkern bietet eine reichhaltige Bausubstanz verschiedener Baustile, welche vom mittelalterlichen Fachwerkwohnhaus bis hin zum Ziegelgroßbau des 20. Jahrhunderts reichen. Die Bürgerbauten Perlebergs entstanden im Zeichen ihrer Zeit und sind von Veränderungen gezeichnet, die Menschen und Natur hinterlassen haben. Zu den interessantesten Bauten der Perleberger Bürgerschaft zählt das Rathaus. Majestätisch erhebt es sich vor dem Großen Markt, ein würdevoller Standort zwischen der Statue des Roland und der St. Jacobi-Kirche. Die Größe des Rathauses spiegelt die Bedeutung wieder, die Perleberg nicht nur zu seiner Entstehungszeit in der Prignitz besaß.
1817 wurde Perleberg Kreisstadt der Westprignitz. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Stadt eine Einwohnerzahl von 3.058, die in den darauf folgenden zwei Jahrzehnten bis auf 5.158 anstieg. Der deutliche Bevölkerungszuwachs erforderte neue Verwaltungs- und Versorgungsstrukturen und führte die Stadtväter zu der Überzeugung, ein neues Rathaus zu errichten.
Der zuständige Departements-Bau-Inspektor Schüler zu Pritzwalk wurde beauftragt, einen Entwurf für einen Neubau anzufertigen. Schüler befürwortete den Erhalt und die Reparatur der mittelalterlichen Gerichtslaube des bestehenden Rathauses. Die Stadtverordneten entschieden sich jedoch für einen Neubau. Anfang 1834 reichte Schüler seinen Entwurf ein, der nicht die Zustimmung der Perleberger Bürgervertreter fand. Durch den beruflichen Wechsel Schülers nach Magdeburg in die Position des dortigen „Stadt-Baurath“ kam es erst verzögert zu einer Überarbeitung des Entwurfes. Die Überarbeitung übernahm der kommissarisch eingesetzte Bau-Condukteur Hecker und legte diese im November 1835 der Königlichen Regierung in Potsdam mit der Hoffnung auf staatliche Fördergelder zur Prüfung vor.
Die Königliche Regierung hatte erhebliche Einwände und ließ den Entwurf durch den Bau-Condukteur Jacoby zu Potsdam überarbeiten. Aufgrund der hohen kalkulierten Kosten nahmen die Perleberger Stadtverordneten von den Plänen gänzlich Abstand und erwogen ein neues Rathaus am Wall zu erbauen und im alten Rathaus die Kriminalgefängnisse einzurichten. Schließlich wurden der Perleberger Maurermeister Marci u nd der Zimmermeister Stoßfalck zu Rate gezogen, die einen Grundriss für einen teilweisen Neubau entwarfen. Dem Äußeren des Baues sollte der zwischenzeitlich eingestellte Kreisbauinspektor aus Pritzwalk, Askan Stüler, Gestalt geben. Dieser brachte „seinen Bruder, den als genialen Architekten berühmten Hofbaurath Stüler (Friedrich August) aus Berlin mit zur Stelle, beide entwarfen nun einen ganz neuen Bauplan.“
Auf Grundlage des Stüler’schen Bauplans wurde ein Neubau in Verbindung mit der alten Gerichtslaube beschlossen. Im April 1836 wurde das alte Rathaus teilweise abgerissen. Das neue Rathaus wurde ab Mai 1837 von dem durch F.A.Stüler empfohlenen Bau-Condukteur Streichhan, 24 Jahre alt, aus Liebenwalde gebürtig, begleitet. 1839 erfolgte das Richtfest des Rathauses, das am ersten November 1840 bezogen wurde. Im Folgejahr wurde der mittelalterliche Teil saniert.
Dem Rathaus als denkmalgeschütztes Gebäude im Zentrum des historischen Altstadtkerns kommt eine außerordentliche städtebauliche Bedeutung zu. Mit Unterstützung aus dem Bund-Länder-Programm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ wurden die notwendigen Sanierungsmaßnahmen am historisch wertvollen Rathaus vorgenommen. In den Jahren 1992 bis 1994 konnten die Fenster und die Heizungsanlage saniert werden. Die Dachsanierung, Fassadenreinigung, Blitzschutzerneuerung, die Taubenabwehr sowie die Restaurierung des Greifs (Pegasus als Wetterfahne) schlossen sich in den Jahren 1995/ 1996 an. Im Jahr 2004 wurde der Rathausturm saniert. In die Sanierung des Rathauses sind in den Jahren 1992-1996 sowie im Jahr 2004 Städtebaufördermittel in Höhe von rund 630.000 EUR geflossen. Im Rahmen eines Bundeswettbewerbs „Erhaltung des historischen Stadtraums in den neuen Ländern der Bundesrepublik Deutschland“ wurde die Stadt Perleberg im Jahr 1994 mit einer Sonderplakette ausgezeichnet.
Text: Stadt Perleberg, Bauamt, Susanne Schmidt / Stadt Perleberg, Martina Hennies, Diplom-Kulturwissenschaftlerin
Fotos: Ines Frost, Perleberg; Mathias Marx, Geltow
|