|
zurück
Aktion
„Denkmal des Monats“
November
2003 / Gildenhaus / Treuenbrietzen
Am 14. November 2003 erhielt das Gildenhaus in
der Großstraße 112 in Treuenbrietzen die feierliche
Anerkennung als Denkmal des Monats November 2003 der "Arbeitsgemeinschaft
Städte mit historischen Stadtkernen" des Landes Brandenburg.
Treuenbrietzen
- Stück für Stück saniert
Das Jubiläums- Denkmal des Monats ist im November 2003 das
Gildenhaus in der Großstraße 112 in Treuenbrietzen.
Die Stadt Treuenbrietzen gehört zu den historischen Altstädten,
die 1992 ins Programm "Städtebaulicher Denkmalschutz"
aufgenommen wurden. Seitdem sind in der Altstadt ca. 8,0 Mio EUR
des Ministeriums für Stadtentwicklung, der Deutschen Stiftung
Denkmalschutz und der Stadt Treuenbrietzen in die Sanierung der
Häuser und Anlagen des 40 ha großen Stadtkerns geflossen.
Die Neugestaltung der Straßen und Weg sowie der stadtbildprägenden
Häuser konnte einer behutsamen systematischen Renovierung unterzogen
werden. Mit den insgesamt 569 Hauptgebäuden und davon 40 Einzeldenkmalen
ist der Handlungsbedarf jedoch noch erheblich. Die Hälfte ist
geschafft - Die Sanierung der Altstadt wird voraussichtlich im Jahr
2016 abgeschlossen werden können.
50.
Denkmal des Monats - Ein Haus mit Geschichte
Das Gebäude Großstraße 112 ist das älteste
derzeit bekannte Wohnhaus in Treuenbrietzen und eines der ältesten
Fachwerkhäuser im Lande Brandenburg. Es handelt sich um ein
dreigeschossiges, traufständiges Fachwerkgebäude. Es gehört
zu dem inselartig, dicht bebauten Block, der sich nordöstlich
des Rathauses im Zentrum der Großstrasse, des wichtigsten
Straßenzuges von Treuenbrietzen, befindet.
Das Haus hat eine lange Geschichte: Es gehört zu den sog.
"Hakenbuden". Am Ende des 13. Jahrhunderts beschwerten
sich die Kleinhändler beim Rat über die schlechten Möglichkeiten,
ihre Waren feilbieten zu können, während die Leineweber
und auswärtigen Händler im heutigen Rathaus (damals Kaufhaus)
ihre Waren verkaufen konnten. Der Rat der Stadt Brietzen beschloss
daraufhin, dass die Kleinhändler ihre Hökerbuden hinter
dem damaligen Kaufhaus auf dem Markt errichten durften. Sie konnten
die ganze Woche Handel treiben und mussten der Stadt 5 Groschen
Pacht im Jahr zahlen. Anfangs waren die Hökerbuden aus Holz,
später aus Stein gebaut. Im Erdgeschoss befand sich der Laden,
im 1. Obergeschoss eine kleine Wohnung und im 2. Obergeschoss war
der Speicher untergebracht. Heute stehen die "Hakenbuden"
in zwei Reihen parallel zueinander, nur getrennt durch die so genannte
ca. 1,50 m breite Friedrichstraße.
Zeugnisse aus Jahrhunderten
Auch heute ist die Geschichte noch am Haus ablesbar: Die altertümliche,
ins Jahr 1540 datierte Fachwerkkonstruktion blieb weitgehend erhalten.
Das Gebäude belegt eine für das späte Mittelalter
charakteristische Mischkonstruktion von Ständer- und Stockwerksbau,
die bis ins 17. Jahrhundert verbreitet war. Neben der Konstruktion
blieben auch verschiedene wertvolle Baudetails erhalten, unter anderem
der Unterzug mit Schiffkehlenprofilierung und einige Ausfachungen
mit Weidenruten und Lehm. Von besonderer Bedeutung ist das im Obergeschoss
vorhandene Zierfachwerk, das gebildet wird durch Kopf- und Fußstreben
in Form von sogenannten "Halben Männern" sowie Ziegelausfachungen.
Bedeutsam ist hierbei, dass das Haus Großstraße 112
der derzeit frühste bekannte Beleg für die Zierform des
"Halben Manns" in der Mark ist.
Während
der Jahrhunderte musste sich das Haus drei bedeutenden Umbauphasen
unterziehen. Nach dem Neubau der zwei benachbarten Häuser in
der Bauflucht der mittelalterlichen Hakenbuden, durch den die Häuserzeile
im Verband untereinander verbunden wurde, wurde das Erdgeschoss
der Straßenfassade massiv erneuert. In das Obergeschoss wurden
größere Fenster eingefügt. Dabei wurde wenig Rücksicht
auf die vorhandene Fachwerkkonstruktion genommen. In der dritten
Umbauphase wurde dann das Dach vollständig abgetragen und auf
den zweigeschossigen Bau in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts
ein neues Dach gesetzt.
Beispiel der Stadtgeschichte wird gerettet
Im Jahr 1998 drohte dem Gebäude aufgrund seines schlechten
Erhaltungszustandes beinahe der Abriss. Um den endgültigen
Verlust der wertvollen denkmalgeschützen Bausubstanz zu verhindern
und das wertvolle Gebäude zu erhalten, entschloss sich die
Stadt Treuenbrietzen, das Gebäude zu übernehmen und als
beispielhaftes Sanierungsobjekt der Stadt instand zu setzen. Das
Gebäude wird nach Abschluss der Sanierung nicht im klassischen
Sinne "genutzt". Es verweilt als Zeugnis historischer
Bautradition und als Dokumentation der liebevoll sorgfältigen
und fachgerechten Sanierung von alten Häusern. Im Rahmen von
Führungen durch die Altstadt und Veranstaltungen in Treuenbrietzen
soll dieses Haus immer ein "Exot" bleiben. Es soll in
seiner Eigenart dem Besucher als "Buch" dienen. Deshalb
ist die enge Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege und der Bauforschung
und -dokumentation verpflichtend geworden.
Investition in die Geschichte
2001 konnten innerhalb der Städtebauförderung erste Maßnahmen
zur baulichen und statischen Sicherung sowie Maßnahmen gegen
Feuchtigkeitseinwirkungen durchgeführt werden.
Die Kosten für diese Notsicherungsmaßnahmen betrugen
15.000 EUR.
Mitte 2002 wurden die umfangreichen Sanierungsarbeiten aufgenommen,
die im Herbst 2003 im Wesentlichen abgeschlossen werden konnten.
Das Gebäude Großstraße 112 wurde im Programmbaustein
B.3.1 umfassend gefördert. Die Sanierung des Gebäudes
kostete 191.000 EUR. Auf die Städtebauförderung im Bund-Land-Programm
"Städtebaulicher Denkmalschutz" entfielen mit 153.000
EUR einschließlich des kommunalen Mitleistungsanteils rund
80 % der Baukosten. Die Realisierung der Maßnahme wäre
aber nicht möglich gewesen, wenn nicht die Deutsche Stiftung
Denkmalschutz (DSD) den verbleibenden Bauherrenanteil in Höhe
von 38.000 EUR im Rahmen ihres Bürgerhausprogramms beherzt
übernommen hätte.
Text und Fotos: Stadt Treuenbrietzen/ complan GmbH
|