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Aktion
„Denkmal des Monats“
Ein
Beispiel für Bürgerengagement - die Nikolaikirche in Kremmen
Die
Nikolaikirche in Kremmen hat im Laufe der Jahrhunderte so einiges
erleiden müssen. Trotzdem steht sie heute eindrucksvoll und
in vorbildlichem Zustand im Kremmener Stadtkern. Ihre Inneneinrichtung
verdankt die Kirche zahlreichen Spendern der Stadt Kremmen, die
sich und der Gemeinde im Laufe der Jahrhunderte ein Denkmal durch
die Spende für eine Kanzel, ein Taufbecken und anderes mehr
gesetzt haben. Auch nach einem Schwelbrand im Jahre 1994 konnte
die Kirche wieder zu ihrem heutigen Glanze gebracht werden. In diesem
Sinne wurde die Kirche am 1.11.2005 als Denkmal des Monats der Arbeitsgemeinschaft ausgezeichnet.
Rund 50 anwesende Kremmener und Gäste aus Mitgliedsstädten
der Arbeitsgemeinschaft freuten sich über die Urkunde, die
Herrn Bürgermeister Sasse und Herrn Pfarrer Triebel gemeinsam
überreicht wurde.
November
2005 / Nikolaikirche zu Kremmen
Kirchengeschichte in Kremmen
Ein
Gemäuer in Kremmen, in dem seit der Herrschaft der Askanier
von allen Ereignissen der Jahrhunderte ein wenig verborgen steckt,
ist die Nikolaikirche. Sie entstand einst aus Feldsteinen in der
Größe des heutigen Chores. Brandkatastrophen und Unwetter
zerstörten im Verlaufe der Jahrhunderte immer wieder ganze
Straßenzüge der Stadt und machten auch vor dem Kremmener
Gotteshaus nicht Halt. 1680 brannte die Kirche gleich zweimal: Im
Frühjahr traf ein Blitz den Turm und im September brannte das
Gebäude bei der Feuersbrunst bis auf die Grundmauern nieder,
die auch weite Teile der Stadt erfasste. Der Wiederaufbau der Kirche
wurde durch den Verkauf von 200 Eichen aus dem Stadtforst finanziert.
Ein Sturm brach 1738 den Turm der Kirche und warf ihn auf das Dach
- auch diesen Schaden behoben die Kremmener rasch und errichteten
einen neuen Turm; der allerdings brannte 1917 nach einem Blitzschlag
nieder. Den Kirchturm, der Kremmens Stadtbild auch zum heutigen
Tage noch beherrscht, errichtete die Baufirma Sittel im Jahre 1928.
Eine bedeutende Rolle nahm Gustav Schweitzer für die Stadt
ein, der 1847 - 1850 Pfarrer in Kremmen war, und sich nicht nur
mit Beten und Predigen zufrieden gab. Als ehemaliger Burschenschaftler
war er Anhänger der Revolution von 1848 und trat für die
Trennung von Kirche und Staat ein. Sonntags führte er in der
Kirche eine Art Zeitungsschau durch und betrieb so politische Bildung
und Aufklärung. Nachdem er sich für Steuerfreiheit und
die Beschränkung des Jagdrechtes eingesetzt hatte, wurde er
jedoch seines Amtes enthoben.
Aus
den Kremmener Kirchenbüchern
Anno 1645 25. September haben Pfarrer und drei Kirchenvorsteher
einen Vergleich getroffen mit dem Uhrmacher von Berlin, Meister
Jürgen Born, der das Uhrwerk allhier, welches alt und ausgelaufen,
soll wieder in rectifizen, welches er auch gethan, dafür ist
ihm von der Kirchen einkommen gegeben 7 ½ Thaler dazu an
Fuhrlohn und Unkosten so viel, dass er austrägt 10 Thlr.21
arg. Insgesamt. Ist also zur Nachricht hier gesetzet worden.
Eine neue königliche Declaration von Fr. W. zu Berlin,
den 9. Januar 1732:
Wir haben nötig erachtet, die ergangene Order wegen des Heiligen
Abendmahls dahin zu declarieren, dass diejenigen, welche mit schweren
Gebrechen oder Jammer behaftet sind, ungleich diejenigen so mit
Krücken gehen, wie auch die Blinden und diejenigen, die mit
erbhaftem Schaden, Ausschlag behaftet zwar nicht mehr mit der ganzen
Gemeinde vor den Altar zur Heiligen Communion mitgehen, sondern
davon dispensiret und erlaubt sein sollte, das Heilige Abendmahl
in der Sacristei, in der Woche von Predigern gehalten werden zu
nehmen. Jedoch sollten die Priester solches bekannt machen, wenn
das Abendmahl für solche miserablen Personen gehalten werden
soll, damit sich davon etliche auch einmal dazu einfinden und als
doch etliche Personen miteinander gehen können.
Die
Nikolaikirche hat ihren Namen von dem Schutzpatron der Kinder, der
Bäcker und der Schiffer, dem Bischof Nikolaus von Myra. Er
lebte im 4. Jahrhundert. Sein Namenstag ist allen bekannt: der 6.
Dezember. Die Kirche ist das älteste Gebäude der Stadt
Kremmen, die im Jahre 1298 das Stadtrecht erhielt. Das Feldsteinmauerwerk
am Ostgiebel zeigt die ursprüngliche Größe der Kirche
aus dem 13. Jh. Das dreischiffige Langhaus und die Erhöhung
des Chores für zwei Emporen stammen aus der Zeit vor der Reformation,
wie die Weihekreuze neben den Eingängen belegen. Eben so alt
sind vermutlich die Sonnenuhr und die "Fieberlöcher"
an der Südseite: Der ausgeschabte Ziegelstaub diente als Medizin
bei mancherlei Erkrankungen und gegen Liebeskummer.
Der ursprünglich mit einer hölzernen Ampel gekrönte
Turm brannte durch Blitzschlag 1917 ab. Er wurde 1928 etwas niedriger
fertig gestellt. Anstelle der drei Bronzeglocken, die im Ersten
Weltkrieg eingezogen wurden, gibt es seit 1928 drei Stahlglocken
mit elektrischem Geläut. Aus dem gleichen Jahr stammt die elektrisch
betriebene Turmuhr. Die barocke Innenausstattung stammt aus dem
17. Jh. An der Südempore sind die Apostel zum Teil mit ihren
Marterwerkzeugen dargestellt. Anstelle des Verräters Judas
ist der Erlöser der Welt zu sehen. Der Altar ist ein Geschenk
des Marco von Lüttke aus dem Jahr 1686. In der Mitte sind dargestellt:
das Abendmahl, die Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt. Der
13-strahlige Stern trägt den Gottesnamen "JHWH".
Die Kanzelbilder, eine Stiftung des Münzmeisters Christoph
Pflug von 1690, zeigen die vier Evangelisten und den Erlöser
der Welt. Auf dem Kanzeldeckel steht der auferstandene Christus
mit der Siegesfahne. Die hölzerne Taufe ist ein Geschenk des
Ratsherrn Andreas Busse aus dem 17. Jahrhundert. Drei mit Girlanden
geschmückte Kinder tragen die Taufe. Die zweimanualige Schuke-Orgel
wurde 1961 gebaut. Im Jahr 2004 wurden bei umfangreichen Renovierungsarbeiten
interessante Details entdeckt und restauriert, z.B. in der Eingangshalle
an der Südseite ein kleiner, detailliert in Stein gehauener
Kopf, im linken Seitenschiff ein gemaltes Gesicht mit offenem Mund,
die Schlusssteine des Gewölbes mit verschiedenen Ornamenten
und die unterschiedlichen Sockel der Rippen. Auch die rote Bemalung
der Bögen mit unterschiedlichen Mustern wurde nach alten Vorlagen
gestaltet. Die Nikolaikirche ist Mittelpunkt der evangelischen Kirchengemeinde
Kremmen. Hier finden regelmäßig Gottesdienste, Konzerte
und Führungen statt.
Stadtsanierung in Kremmen
Angefangen
hat alles im Februar 1991 mit dem Beschluss der Stadtverordneten
der Stadt Kremmen zur Einleitung vorbereitender Untersuchungen zur
Stadtsanierung. Der Bericht dieser Untersuchungen war Grundlage
für die Sanierungssatzung, mit der 1995 Kremmens historischer
Stadtkern als Sanierungsgebiet förmlich festgelegt wurde.
Das für jedermann sichtbarste und wirkungsvollste Ergebnis
der Sanierung in Kremmen ist die Erneuerung von gut zwei Dritteln
aller Straßen und Platzflächen im historischen Stadtkern;
jüngst erst im Frühjahr 2005 wurde die Mittelinsel des
dreieckig geformten Marktplatzes als Platz des Gedenkens neu gestaltet.
An der Zielstellung, den historischen Stadtkern behutsam zu erneuern
und als Zentrum der Stadt, ja der Region insgesamt zu stärken,
wird weiter gemeinsam mit dem Sanierungsträger GmbH gearbeitet.
Die evangelische Kirchengemeinde hat im Jahr 2004 die Sanierung
des Kircheninneren dank einer geförderten Arbeitsmaßnahme
umsetzen können; mittelfristig ist die Sanierung des Umfeldes
als Gegenstand des Sanierungsplanes vorgesehen.
Daten zusammengetragen von G. Henniger, Kremmen
Verfasst von P. Born, Bilder: Stadt Kremmen
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