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Aktion
„Denkmal des Monats“
Dezember
2006 / Dahme (Mark) /
Bürgerhaus Kirchstraße
Nr. 17
Der St adt Dahme kam als Residenz von Karmelitermönchen und sächsischen Herzögen, später deren Witwen, eine hohe Bedeutung zu. 1164 erstmalig als Standort einer Burg urkundlich erwähnt, siedelten sich im Schutz der Burg vor allem Händler und Handwerker an. Die Lage an der ehemaligen „Lüneburger Salzstraße“, der heutigen Bundesstraße 102 (Hauptstraße), beförderte ebenfalls die Besiedlung. Sowohl die geistlichen als auch die weltlichen Herrscher nahmen starken Einfluss auf die Fortentwicklung der märkischen Stadt. Das Zeugnis dieser Geschichte ist bis heute im „herrschaftlichen“ Stadtbild ablesbar. So finden sich Formen und Elemente der herrschaftlichen Architektur an vielen Bürgerhäusern und öffentlichen Bauten wieder; es dienten die repräsentativen Residenzgebäude häufig als Vorbild. Die großstädtischen Fassaden der Hauptstraße und vor allem die das Stadtbild prägenden Gebäude, wie das Rathaus mit seinem hohen Turm oder die Klosterkirche, zeigen viele repräsentative Elemente und zeugen von der wirtschaftlichen Bedeutung, die Dahme vor dem Zweiten Weltkrieg besaß. Verstärkt im 18. und 19. Jahrhundert wächst der Wunsch der Bürger, dass repräsentative Architektur nicht nur Kirchen und herrschaftlichen Profanbauten vorbehalten bleiben soll. Häufig steht jedoch die repräsentative Fassade im Widerspruch zu den „inneren“ Qualitäten des Gebäudes: der Ausstattung der Wohnung, der Umbauung des Hofes oder einer Gewerbenutzung im Hinterhof.
Lange Zeit stand eines der ältesten Fachwerkhäuser in der als Flächendenkmal geschützten Altstadt leer. Das denkmalgeschützte Haus in der Kirchstraße Nr. 17 liegt in städtebaulich exponierter Lage unweit der St. Marienkirche und der gesicherten Ruine des Dahmer Barockschlosses. Die im Barock typische symmetrische Gliederung der Fassade mit einer handwerklich aufwändig gefertigten Eingangstür, die solide Fachwerkkonstruktion und die Fenster geben dem Gebäude einen stark repräsentativen Charakter. Unterstützt wird dieser Anspruch durch das angehobene Sockelgeschoss. Als Besitzer des 1780 errichteten Fachwerkgebäudes ist der Lederfabrikant Gustav Handke bekannt. Bereits 1865 wurde das Gebäude durch die Anbauten in der Geschwister-Scholl-Straße und im Innenhof baulich ergänzt, damit eine Ledergerberei Platz fand.
Die Anbauten sind zum Teil an der massiven Bauweise erkennbar. Die letzte Umbauphase fand vermutlich in den 1920er Jahren statt. Das Vorderhaus wurde im Erdgeschoss im Bereich des Hofes baulich erweitert. Die unsachgemäße Bauausführung führte zu verschiedenen Feuchtigkeitsschäden. Ungewöhnlich ist eine Stuckdecke im ersten Stock, die vermutlich der Eigentümer nachträglich einziehen ließ. Es wird vermutet, dass dadurch die Stuckdecken des Dahmer Stadtschlosses nachgeahmt werden sollten. Zeigt sich die Fassade des Denkmals als sehr repräsentativ und herrschaftlich, so stehen der eng umbaute Hof und die Ledergerberei mit seinen Anbauten im erheblichen Widerspruch zur Straßenfassade.
In den Jahren 2003/2004 konnte nach langem Leerstand in enger Abstimmung mit dem Eigentümer, der Stadt, dem Sanierungsträger und der Denkmalbehörde das Gebäudeensemble denkmalgerecht saniert werden. Ziel war der weitgehende Erhalt historischer Bauteile, wie auch u.a. der Türen. Im Rahmen der Sanierung wurde die gesamte Fachwerkkonstruktion aufgearbeitet. Zum Teil mussten konstruktive Hölzer ausgetauscht werden, was heute an der Straßenfassade bewusst ablesbar ist. Die Kastendoppelfenster wurden nach Vorlage eines 250 Jahre alten Originals nachgefertigt. Die ungewöhnliche Stuckdecke in der Fabrikantenwohnung konnte erhalten werden. Ein farbrestauratorisches Gutachten dokumentierte sieben Farbschichten für die Ausfachungen, wobei die heutige Farbgebung (rot) auf die Ursprungsfassung hinweist.
Im Hofbereich der Kirchstraße Nr. 17 wurden, um eine Vergrößerung vorzunehmen, Teile des erdgeschossigen Vorbaus beseitigt. Heute befinden sich fünf moderne Wohnungen in diesem Gebäude. Einige Wohnungen erhielten eine Terrasse bzw. einen Balkon, wodurch die Wohnqualität erhöht wurde. Im hinteren Bereich des Vorderhauses verweist das alte Gerbfass auf die Geschichte des Hauses.
Die Sanierungskosten betrugen ca. 475.300 EUR. Eine Unterstützung erfolgte durch einen Zuschuss aus dem Bund-Länder-Programm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ in der Höhe von 263.200 EUR sowie durch 40.000 EUR der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.
Text: Amt Dahme/Mark | BauGrund, Sanierungsträger der Stadt Dahme/Mark
Fotos: Mathias Marx, Geltow
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