Bewegte Bilder | Bewegte Städte

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Erste Erfahrungen mit dem neuen an mehreren Orten Europas nahezu zeitgleich entwickelten Medium »Kino«, sammelten die Menschen um 1900 vor allem in Wanderkinobetrieben. Neben den fahrenden Kinobetrieben entwickelten sich alsbald auch ständige Kinos in den Städten und auf dem Land. Um 1910 vollzogen sich in Brandenburg zahlreiche solcher Kinogründungen. Vor allem findige Gastwirte machten sich das neue Medium zunutze, um bei einem überschaubaren finanziellen Risiko einen absehbaren großen Gewinn einzuspielen. So entstand beispielsweise in Herzberg im »Schützenhaus « ein stehendes Lichtspieltheater. Die Stadt Perleberg erhielt 1912 ihr erstes Kino. Ein Jahr später nahmen die »Union- Lichtspiele« in Templin in dem Hotel und der Ausflugsgaststätte »Seebad« ihren Betrieb auf. Mit dem Aufkommen des Tonfilms ca. 1928 etablierten sich in den brandenburgischen Kleinstädten allmählich größere Lichtspieltheater, die diesen neuen technischen Entwicklungen Rechnung trugen. So entstand zum Beispiel 1935 das Angermünder Kino »Reichshallen«.

Die inzwischen an die politische Macht gelangten Nationalsozialisten erkannten den massenmedialen Nutzen für ihre eigenen Propagandazwecke und beförderten daher die Kino- und Filmwirtschaft nachhaltig. 1933 eröffneten die Kammerlichtspiele in Beeskow im eigens umgebauten »Märkischen Hof« in der Bahnhofstraße. In nahezu jeder Kleinstadt entstanden nun zentral gelegene Kinos mit markanter Architektur. Ein Beispiel hierfür ist die Stadt Treuenbrietzen, wo im April 1939 ein neues Kammerlichtspieltheater eröffnet worden ist. 1945 unmittelbar nach Kriegsende setzten viele Lichtspielhäuser ihr Programm – natürlich unter veränderten ideologischen Vorgaben – fort. Und: Auch wenn nach der politischen Wende im Herbst 1989 viele DDR-Lichtspielhäuser wegen Unwirtschaftlichkeit und der Konkurrenz gegenüber großen Kinoketten für immer ihren Vorhang fallen lassen mussten, haben zumindest einige der alten Kleinstadtkinos in Brandenburg bis heute überlebt. Ihre Betreiber suchen nicht selten nach geschäftlichen Nischen und entdecken die Lichtspielhäuser vielfach neu: so etwa in Dahme als Kino-Café-Bar.

Auszug aus: »Wo Filme durch die Städte laufen« – Kinematographen, Lichtspieltheater und Kinos in den brandenburgischen Kleinstädten von Sascha Bütow

Faltblatt Kulturland Brandenburg 2011 (PDF - 0,9 MB)