Standort 4 | Luckauer Tor / Turm

Aus aller Herren Länder – Verkehrskontrolle an Beeskows Stadttoren

Die naturräumliche Lage Beeskows in einer Flussniederung ermöglichte das Überqueren der Spree und beeinflusste den Verlauf der Verkehrswege entscheidend. Hier kreuzte der von Cottbus über Fürstenwalde zu den hansischen Ostseestädten verlaufende Handelsweg die zwischen Frankfurt (Oder) und Leipzig liegende „alte Messstraße“. Über diese Wege lief ein wechselseitiger, teils überregionaler Warenaustausch, den vor allem die Beeskower Gewandschneider als Kaufleute betrieben. Sie verkauften Textilien auf den Frankfurter und Leipziger Messen und importierten insbesondere das zu Konservierungszwecken unverzichtbare Salz, Safran und andere Gewürze.

Dieser Waren- und Handelsverkehr wurde seit dem Mittelalter restriktiv überwacht. An allen drei Toren der Stadt – dem Fürstenwalder, dem Luckauer und dem Frankfurter Tor – befanden sich Wachhäuser und Gefängnisstuben. An diesen Punkten mussten Zoll und Akzise entrichtet werden. Nicht selten sind neben den Stadtbürgern auch die Beeskower Hüfner aus der Vorstadt Adriansdorf hier als Stadtwachen eingesetzt worden. Beim Fürstenwalder und Luckauer Tor befand sich jeweils auch ein s.g. „Bürgergehorsam“ – ein Gefängnis, das für „unartige“ Bürger vorgesehen war. Besondere Aufmerksamkeit galt dem Frankfurter Tor, wo das dortige Torhäuschen kurz vor 1744 neu entstand. Das Gebäude wurde aus Stein errichtet und verfügte über ein holländisches Ziegeldach. In seiner unteren Etage befand sich die Wachstube während im oberen Geschoss zwei Lazarettstuben mit je zwei Betten waren. Außerdem befand sich hier die Wohnung des Torwächters. Am Frankfurter Tor entstand 1737 zudem eine neue Zugbrücke, die um 1744 befestigt und mit einem zweiflügligen Gattertor versehen wurde.

Blick auf das Luckauer Tor mit dem markanten Torturm, auch „dicker Turm“ genannt. Das Luckauer Tor war eines von drei Stadttoren in Beeskow. Im Auftrage der königlichen Regierung und des Steuerrates erhob der Magistrat an dieser Stelle Zoll und Akzise. Ansicht Mitte der 1930er Jahre.

Bildquelle: Stadtarchiv Beeskow

 

 

Nachzeichnung eines Beeskower Bracteaten aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Er zeigt einen stehenden Herrn, welcher in der Rechten eine Lanze und in der Linken eine Sensenklinge hält. Damit wird auf die Herren von Strele als Stadtherren Beeskows verwiesen. In Beeskow befand sich im Mittelalter eine Münzprägestätte, wodurch die Bedeutung des Ortes im Hinblick auf Wirtschaft und Handel unterstrichen wird.

Bildquelle: Berliner Münzblätter. N.F., Jg. 28, Nr. 72 (1907), S. 613.

Straßenszene Mitte des 18. Jahrhunderts als Illustration einer Niederlausitzkarte. Auch der von und nach Beeskow verlaufende Handel wurde in dieser Zeit stark kontrolliert.

Bildquelle: J.C.K, Reichenbach: Carte itineraire parle pays de l’Electorat de Saxe faisant voir les grands chemins depuis Lipsic jusqu’ aux villes principals des pais circonvoisins. Nürnberg [1728] 1752