Standort 5 | St. Marienkirche

Wenn das Handwerk vermögend macht – Grundbesitz und Armenfürsorge im Dienst des Seelenheils

Die Interessen der Beeskower Bürger endeten nicht an der Stadtmauer, sondern richteten sich auf den ländlichen Grundbesitz im Umland. Vor allem die Beeskower Schneider, die durch den Fernhandel zu Reichtum gelangt worden waren, beteiligten sich an derartigen Käufen. Bereits in der ältesten Urkunde Beeskows von 1272 wurde das benachbarte Neuendorf  unter Beeskower Stadtrecht gestellt. Herzog Rudolph von Sachsen schenkte der Stadt 1326 das nördlich gelegene Adriansdorf mit allen Rechten. 1465 erwarb Beeskow das Dorf Schneeberg. In weiteren Dörfern kauften Beeskower Bürger Grundbesitz und Rechte über dienstverpflichtete Bauern.

Dieser Landerwerb war ein Teil der lokalen Wirtschaftspolitik, wodurch die Stadt und ihre Bevölkerung mit Getreide versorgt wurden. Bezeichnenderweise kaufte man nicht nur Grundbesitz, sondern stiftete diesen ebenso aus sozialen und religiösen Motiven, z.B.  zur Sicherung des eigenen Seelenheils für die Armenhilfe. So ließ der Beeskower Kaufmann Hans Cune 1405 einen Teil der jährlichen Einnahmen aus seinem Grundbesitz an das nördlich der Stadt gelegene St. Nikolai Hospital übertragen, damit den dort lebenden „armen leuten […] narungkh, Speyse undt tranck“ beschafft werden könne.

 

 

Die Beeskower St. Marienkirche während der Sanierungsarbeiten im Jahr 1999. Die wirtschaftliche Kraft des mittelalterlichen Bürgertums und des Handwerks trug erheblich zum Bau und zur Gestaltung des beeindruckenden Gebäudes bei.

Bildquelle: Stadt Beeskow

Herzog Rudolf I. von Sachsen-Wittenberg († 1356), Holzschnitt 16. Jahrhundert. Als Stadtherr von Beeskow bestätigte er nicht nur die Rechte der Bürgerschaft, sondern übertrug ihr 1326 auch die Siedlung Adriansdorf, womit der städtische Grundbesitz entscheidend erweitert wurde.

Bildquelle: Stadtarchiv Beeskow.

Zwei Siechen bewegen sich in gekrümmter Haltung (Darstellung des 15. Jahrhunderts). Die Barmherzigkeit gegenüber kranken und schwachen Menschen prägten die christliche Nächstenliebe im Mittelalter. Auch Beeskow verfügte hinter dem Fürstenwalder Tor über ein Hospital, dem Beeskower Bürger und Handwerker regelmäßig Stiftungen zukommen ließen.

Bildquelle: Universitätsbibliothek Heidelberg, Sig. Cod. Pal. germ. 137, fol. 140r.