Standort 6 | Kietz

Fischfang und Zeidlerei – Handwerkliches Leben auf dem Beeskower Kietz

Bis zu seiner Eingemeindung 1908 gehörte der Kietz nicht zur Stadt Beeskow. Über Jahrhunderte entwickelte dieses Siedlungsgebiet eine eigenständige von der Stadt Beeskow unabhängige Identität. Ein Ausdruck dafür ist bis heute die eigentümliche und vom historischen Stadtkern Beeskows abgegrenzte Siedlungsstruktur des Kietzes. Seine Einwohner besaßen kein Bürgerrecht, sondern waren dem Burgherrn untertan. Für ihn mussten die Kietzer Dienste verrichten, worunter die Hilfe bei der Ernte oder Reinigungsarbeiten auf der Burg fielen. Ihren Lebensunterhalt bestritten sie hauptsächlich mit der Fischerei, für die sie dem Burgherrn einen festgelegten Kahnzins entrichten mussten. Die Fischereirechte der Kietzer erstreckten sich jedoch nicht nur auf das Beeskower Gebiet. Weit darüber hinaus durften sie die Spree und ihre zahlreichen Nebenarme zwischen Alt-Schadow im unteren Spreewald bis hinab nach Fürstenwalde befischen.

Neben dem Fischfang betrieben die Kietzer auch die Zeidlerei. Dazu durften sie ihre Bienenkörbe in den umfänglichen Wäldern, Heiden und Wiesen der Herrschaft aufstellen. Im Gegenzug hatten die Zeidler dafür einen Honigzins zu entrichten. In späterer Zeit mussten sie gegenüber dem brandenburgischen Kurfürsten Abgaben leisten. Aus Quellen ist beispielsweise zu erfahren, dass sich die Zeidler aus Storkow, Fürstenwalde, Köpenick, Beeskow und weiterer Orte jährlich zu einem Tag in Kienbaum bei Fürstenwalde trafen, um dort dem Kurfürsten vier Tonnen Honig zu übergeben. Bei dieser Gelegenheit besprachen Sie zugleich gemeinsame Anliegen und Probleme.

 

 

Blick auf den Beeskower Kietz in der Mitte der 1980er Jahre. Seit Jahrhunderten übten die Kietzer die Fischerei auf der Spree aus und organisierten sich als Fischerinnung, die unter der Herrschaft der Nationalsozialisten aufgelöst wurde. In der DDR wurden die Kietzer Fischer am 1. Januar 1959 in der „PGH werktätiger Fischer »Einheit« Storkow, Brigarde Spree, Beeskow“ zusammengefasst. 

Bildquelle: Rat der Stadt Beeskow (Hrsg.): Beeskow. Kreisstadt an der Spree. Ein Gang durch die Stadt – Vergangenheit und Gegenwart. O.J

Die Fischerei bildete den Haupterwerbszweig der Beeskower Kietzer. Darstellung aus dem Buch der Beispiele (1471-1477).

Bildquelle: Universitätsbibliothek Heidelberg, Sig. Cod. Pal. germ. 466, fol. 053r.

Traditioneller Bienenkorb in Prieros bei Storkow. Auch die Beeskower Zeidler nutzen über Jahrhunderte solche von Menschenhand geschaffenen Behausungen für Bienen zur Produktion von Honig.

Bildquelle: Axel Bütow, Senzig.