Standort 8 | Spreeinsel

Städtische Wirtschaft im Fluss – Die Spree als Handels- und Transportweg


Seit der Gründung Beeskows im 13. Jahrhundert spielt die Spree innerhalb der städtischen Wirtschaft eine zentrale Rolle. Eine Vielzahl wichtiger Stadtrechte bezog sich demzufolge auf den nahe gelegenen Fluss. Bereits 1321 hatte der sächsische Herzog Rudolf I. (1284–1356) der Beeskower Bürgerschaft das Stapelrecht für Floßholz bestätigt, das alle Flößer dazu zwang, in Beeskow Halt zu machen. Hier mussten sie den Beeskower Bürgern Bau- und Brennholz anbieten, ehe ein Weitertransport in Richtung Fürstenwalde erfolgen konnte. Vor dort nahm das Floßholz seinen Weg weiter nach Berlin, wo auch Wenden aus dem Spree- und Dahmegebiet ein Platzgeld auf dem Holzmarkt zahlten. Das über Beeskow gehandelte Floßholz stammte zumeist aus dem oberen und unteren Spreewald, wo die reichen Beeskower Bürger auch selbst Holzrechte besaßen und das Holzflößen selbst organisierten. Die ärmeren Bürger und Einwohner der Stadt waren hingegen auf fremde Zulieferungen bzw. vom Magistrat organisierte Holzanfuhren aus dem Bürgerwald bei Grunow abhängig.

Auch in späterer Zeit kam der Spree als Transportweg eine wichtige Bedeutung zu. So hatte der Lebuser Bischof Dietrich von Bülow (1460–1523) für den Ausbau der Burg Beeskow 1518 mehrere Prahme Kalkstein von Rüdersdorf nach Fürstenwalde verschiffen lassen. Im selben Jahr bat er die Bürgerschaft und die Hüfner aus der Vorstadt darum, diese Baustoffe auf dem Landweg nach Beeskow zu transportieren. Als Mitte des 18. Jahrhunderts ein neues Beeskower Rathaus gebaut werden sollte, sicherte der preußische König Friedrich II. dem Magistrat zu, ihn von Zöllen und Schleusengebühren zu befreien. Damit sollte die Anlieferung von Baumaterialien wie Ziegel- und Kalkstein erleichtert werden, die daraufhin kostengünstiger über die Spree direkt nach Beeskow verschifft wurden.
 

Ansicht der Kalkberge bei Rüdersdorf um 1800 (J. F. Hennig). Über den Wasserweg empfing die Stadt Beeskow von hier aus Kalkstein, der für die städtischen Baumaßnahmen benötigt wurde. Für diesen Transport hatte der preußische König Friedrich II. die Stadt Beeskow von Zöllen und Schleusengebühren befreit

Bildquelle: Wirth, Irmgard: Berlin und die Mark Brandenburg. Landschaften, Gemälde und Graphik aus drei Jahrhunderten. Hamburg 1992, Abb. 28.

Epitaph Bischofs Dietrich von Bülow im Dom zu Fürstenwalde. Der Bischof wurde 1518 Stadtherr Beeskows und ließ in der Folgezeit die Burg nach zeitgenössischen Vorstellungen umbauen. Dazu organisierte er die Zulieferung von Baumaterialien über die Spree.

Bildquelle: Dr. Sascha Bütow, Potsdam.