Standort 9 | Hüfnerhaus

Ackerbau, Viehzucht und Markttreiben – Wirtschafts- und Marktleben in der Vorstadt


Die Fürstenwalder Vorstadt bewohnten s.g. Hüfner. Auf den ihnen zustehenden Feldern richteten sie Ackerflächen ein, auf denen Hafer als Futtermittel aber auch andere Getreidesorten angebaut wurden. Eine besondere Fläche, die man das „neue Land“ nannte, war den Hüfnern als Hegeweide für ihre Pferde vorbehalten. Die komplexe herrschaftliche Gliederung in Beeskow brachte es mit sich, dass neben den Hüfnern auch andere Personen und Gruppen in der Vorstadt Acker- und Weideflächen besaßen. Dazu gehörten nicht nur Beeskower Stadtbürger, sondern auch die Bauern aus dem nahe gelegenen Neuendorf. Die unterschiedlichen Nutzungsrechte konnten aber keineswegs wahllos in Anspruch genommen werden, sondern wurden – wie für das Mittelalter charakteristisch – genauestens festgelegt und schriftlich fixiert. Die Hüfner selbst waren gegenüber der Stadt Beeskow zu Diensten verpflichten. So mussten sie ihre Fuhrwerke für Transportaufgaben bereithalten, beim Straßenbau unterstützen oder als Torwachen behilflich sein. Verschiedentlich leisteten sie auch Abgaben gegenüber dem Rat.

Neben der Landwirtschaft wurden in der Vorstadt regelmäßig Märkte abgehalten, zu denen auch Gäste umliegender Städte erschienen. Dabei kam es nicht selten zu Streitigkeiten hinsichtlich falscher Maße und Gewichte. Eine größere Auseinandersetzung ereignete sich 1548 als sich der Rat der Stadt Lübben bei der Stadt Beeskow darüber beschwerte, dass seine Mitbürger am Verkauf ihrer Waren in der Beeskower Vorstadt gehindert worden seien. Dabei entstanden Handgreiflichkeiten, in deren Folge einem Lübbener Tischler sämtliche Waren weggenommen wurden.


Darstellung aus Rodericus Zamorensis († 1470), „Spiegel des menschlichen Lebens“ (Augsburg 1474): Bauern bei der Abgabe ihres Zinses an den Grundherrn. Die Abgaben werden in Form von „Naturalien“ (Käse, Eier, Geflügel, Lamm) abgeleistet. In Beeskow war der Rat der Stadt Grundherr von Adriansdorf. Die Abgabepflicht der Hüfner in Naturalien wurde erst 1792 aufgehoben und durch Geldzahlungen abgelöst.

Bildquelle: Darstellung nach Borst, Otto: Alltagsleben im Mittelalter. Frankfurt (Main) 1983, S. 138.

Die Hüfner der Vorstadt schlossen sich Anfang des 20 Jahrhunderts zu einer s.g. Ackerbürger-Vereinigung zusammen und warben in den örtlichen Zeitungen für ihre Aktivitäten. Anzeige aus dem Täglichen Kreisblatt für den Kreis Beeskow-Storkow (um 1910).

Bildquelle: Stadtarchiv Beeskow.

Die Hüfner in der Fürstenwalder Vorstadt bildeten über Jahrhunderte eine eigene Rechtsgemeinschaft. Alle wichtigen Privilegien, Urkunden und Dokumente verwahrten sie in einer Lade, die beim Vorsteher der Gemeinschaft aufbewahrt wurde.

Bildquelle: Foto, Peter Riedel, Bielefeld.